Detailseite
Projekt Druckansicht

Historisch argumentierende "Bevölkerungs"konstruktionen. Deutsche Geschichtswissenschaften in interdisziplinären und internationalen Kontexten, ca. 1870-1970

Antragsteller Professor Dr. Josef Ehmer (†)
Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2001 bis 2011
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5329344
 
Das geplante Forschungsvorhaben untersucht die Entwicklung von bevölkerungsgeschichtlichen und historisch-demographischen Forschungen von etwa 1870 bis 1970. Es umfasst damit den Zeitraum von der ersten Ausbreitung bevölkerungsgeschichtlicher Studien bis zur Etablierung von Bevölkerungsgeschichte und Historischen Demographie als anerkannte Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft und der Bevölkerungswissenschaft. Im Blick stehen die Wissenschaftskulturen Deutschlands und Österreichs, die vom späten 19. Jahrhundert bis zum Ende des "Dritten Reichs" eng miteinander verknüpft waren. Untersuchungsgegenstand sind theoretische und methodische Konzepte ebenso wie die Erträge empirischer Forschungen. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses steht eine im gesamten Untersuchungszeitraum unaufgelöste Spannung zwischen individualistischen, am Verhalten einzelner Menschen orientierten demographischen Konzepten einerseits, und einem kollektivistischen Bevölkerungsbegriff andererseits, die biologisch definierte Großgruppen ("Nation", "Volk", "Volksgruppe", "Rasse") als Subjekt der historischen Entwicklung und damit als zentralen Gegenstand bevölkerungsgeschichtlicher Forschungen ansah. Das Projekt untersucht den Wandel und die Kontinuitäten dieses Spannungsverhältnisses in drei historischen Formationen: der Gelehrtenkultur des Kaiserreichs, in der historische Bevölkerungsforschung eng mit nationalstaatlichem Denken und nationalen Ansprüchen verknüpft war; der Zwischenkriegs- und NS-Zeit, in der Bevölkerung zunächst im Zentrum einer umfassend konzipierten "Volkslehre" und "Volksgeschichte" und dann in enger Beziehung zur nationalsozialistischen Bevölkerungs- und Vernichtungspolitik stand; und schließlich die modernisierenden Ansätze im Rahmen der Strukturgeschichtsschreibung in den 1950er und 1960er Jahren.
DFG-Verfahren Schwerpunktprogramme
Internationaler Bezug Österreich
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung