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SFB 884:  Politische Ökonomie von Reformen

Fachliche Zuordnung Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Geisteswissenschaften
Förderung Förderung von 2010 bis 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 139943784
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Der SFB 884 wurde eingerichtet, um besser zu verstehen, warum Reformen oft nicht umgesetzt werden, obwohl allgemein angenommen wird, dass sie der Gesellschaft nützen würden. Beispielsweise erinnern Experten regelmäßig an die Notwendigkeit, die weltweiten Herausforderungen wie Ungleichheit, Klimawandel, alternde Bevölkerung, (Jugend-)Arbeitslosigkeit usw. anzugehen, jedoch werden nur unzureichende Reformanstrengungen unternommen. Eine Erklärung für dieses Defizit ist, dass Reformen keine statischen, diskreten Ereignisse sind, sondern eher Ergebnis komplexer, dynamischer Prozesse, an denen viele verschiedene Akteure in unterschiedlichen institutionellen Umgebungen beteiligt sind. Um diese Reformprozesse besser zu verstehen, ist eine differenziertere Analyse erforderlich, welche die Dynamik von Reformprozessen, die Beteiligung einer Vielzahl von Akteuren in spezifischen Politikfeldern und unterschiedlichen institutionellen Umgebungen berücksichtigt. Die Forschungsaktivitäten des SFB 884 waren gegliedert in drei Projektgruppen: Projektgruppe A befasste sich mit der Mikrofundierung von Reformen und untersuchte die Herausbildung von Reformpräferenzen und -einstellungen, welche die Umsetzbarkeit von Reformen bestimmen. Projektgruppe B befasste sich mit der empirischen Analyse von Reformen in unterschiedlichen Politikbereichen und entwickelte neue ökonometrische Methoden. Projektgruppe C untersuchte die Rolle von Akteuren in unterschiedlichen institutionellen Umgebungen, deren prozedurale Eigenschaften sich unterscheiden. Die Forschungsgruppen waren über ein gemeinsames Datenzentrum miteinander verbunden, welches das German Internet Panel (GIP) beherbergte, das – neben der quantitativen Textanalyse – als primäre Datenquelle für die Forschungsaktivitäten des SFB 884 diente und experimentelle sowie kausale Analyse von Reformprozessen ermöglichte. Die Forschungsergebnisse des SFB 884 umfassen theoretische und empirische Analysen, die helfen, individuelle und kollektive Reformentscheidungen zu verstehen, sowie die Entwicklung methodischer Werkzeuge, die es ermöglichen, komplexe Reformprozesse besser zu quantifizieren und zu analysieren. Die Ergebnisse bestätigen die grundlegende Annahme, dass eine differenziertere Analyse notwendig ist, um Reformprozesse besser zu verstehen. Es gibt viele Faktoren, die Reformen verhindern. Wenn man allerdings die notwendigen Bedingungen und die Dynamik der Prozesse versteht, dann erleichtert das die Durchführung von Reformen. Zum Beispiel reagieren Politiker auf die öffentliche Meinung, die sich im Laufe der Zeit erheblich verändern und dadurch die Durchführbarkeit von Reformen beeinflussen kann. Wahrnehmungen und die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit, Verteilungs- und Gerechtigkeitsbedenken oder potenzielle Entschädigungen für Reformverlierer können die Durchführbarkeit von Reformen beeinträchtigen. Darüber hinaus ist es notwendig, die einzelnen Reformschritte von der Entscheidung bis hin zur Implementierung von Reformen zu betrachten. In Abhängigkeit vom Politikfeld bedarf es bisweilen einer Feinabstimmung um sicherzustellen, dass Reformen die beabsichtigte Wirkung erzielen. Beispielsweise müssen zur Koalitionsbildung Kompromisse gefunden werden, deren Umsetzung sich jedoch im Lauf der Zeit, insbesondere mit Blick auf anstehende Wahlen ändern können. In methodischer Hinsicht hat der SFB nicht nur den GIP als neues Werkzeug zur Bereitstellung hochwertiger Daten für die Erforschung von Reformprozessen etabliert, sondern auch - zusammen mit neuen ökonometrischen Techniken – die quantitative Textanalyse, automatisierte Videoanalyse, digitale Datengenerierung von Social-Media-Plattformen, Online-Browsern und Smartphones weiterentwickelt, um ein besseres Verständnis von Reformprozessen zu ermöglichen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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