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Philosophie

Fachliche Zuordnung Praktische Philosophie
Theoretische Philosophie
Förderung Förderung von 2010 bis 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 175230500
 
Erstellungsjahr 2021

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Aus der (methodischen, kantischen) Grundüberzeugung heraus, dass >Kritik< über die Unangemessenheit vorhandener (reflexiver) Denkmuster, Konzepte, und Fragestellungen aufzuklären hat, um bessere zu formulieren, habe ich mich der Kritik an abendländischen Ethik-Modellen aus der Perspektive der gegenwärtigen kritischen und z.T. post-strukturalistischen Philosophie gewidmet. Wie können, so lautet seit der Mitte des 20. Jhdts. die Frage - z.B. bei Adorno, Foucault, Butler oder Derrida, um nur einige zu nennen -, angemessenere Konzepte oder Modelle gedacht werden bzw. ist das überhaupt möglich? Zunächst ging es mir dabei um die Kritik an der Ökonomisierung des Ethischen in der abendländischen, philosophischen Theoriebildung. Als Frage bzw. Zielsetzung formuliert: Wenn dem so ist, wann hat die Ökonomisierung des Denkens begonnen und wo ist sie nachzuweisen? Es ging mir also darum, die Etablierung der ökonomischen >Denkungsart<, die von der kritischen Philosophie als die ethische Theoriebildung formierend identifiziert wurde, ausfindig zu machen. Das bedeutete auch, nach den Denkvoraussetzungen bzw. Bedingungen von >Konkurrenz<, >Wachstum<, >Tausch< etc. zu fragen. Das führte zur Kritik an abendländischen Denkweisen überhaupt, d.h. daran, wie das Soziale und der Mensch grundlegend konzipiert werden. Das stellte zugleich Grundlegungsvorstellungen an sich In Frage, d.h. die Frage nach einer anderen Grundlegung der Ethik auch methodisch oder erkenntnistheoretisch-kategorial zu stellen. Zusammengefasst bin ich zu folgenden >Ergebnissen< gekommen: 1. Die theoretischen Auffassungen der Subjekt-Genese sind zu revidieren, weil sie auf einer Anfangsaporie beruhen. Dem wird eine andere Genea-Logie zur Seite gestellt. 2. Die alteritätsethischen Modelle sind zu revidieren, weil sie eine Hierarchieumkehr vornehmen, die häufig theologisch interpretiert wird. Hier wird vorgeschlagen, das Mit-Einander als dauerhaft konstitutiv zu denken und insbesondere für die Ermöglichung einer nicht-verletzende Realisierung zu appetieren. Darin läge die normative Forderung. 3. Das ethische Moment in jedweder Interaktion Ist nicht bestimmbar - es besteht darin, je aktuell entschieden werden zu müssen oder erfahren zu werden. Damit erhalten ethische Begriffe eine andere Bedeutung, z.B. kann ,Verzeihen' nicht mehr tauschökonomisch als Schuldrückgabe, sondern als gemeinsame andere, neue Erfahrung aufgefasst werden. So ein aus der Aufklärung über unzulängliche Denkmuster und -modelle gewonnenes Nachdenken über Ethik, darüber, dass für jeden von uns dauerhaft positive Begegnungen konstitutiv sind, dass Relationalität uns überlebensfähig und resilient macht, kann auch die Grundlage für ein politisches Handeln werden: Es muss die Ermöglichung der notwendigen Bedingungen für solche konkreten Begegnungen im Auge haben.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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