Philosophie
Theoretische Philosophie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Aus der (methodischen, kantischen) Grundüberzeugung heraus, dass >Kritik< über die Unangemessenheit vorhandener (reflexiver) Denkmuster, Konzepte, und Fragestellungen aufzuklären hat, um bessere zu formulieren, habe ich mich der Kritik an abendländischen Ethik-Modellen aus der Perspektive der gegenwärtigen kritischen und z.T. post-strukturalistischen Philosophie gewidmet. Wie können, so lautet seit der Mitte des 20. Jhdts. die Frage - z.B. bei Adorno, Foucault, Butler oder Derrida, um nur einige zu nennen -, angemessenere Konzepte oder Modelle gedacht werden bzw. ist das überhaupt möglich? Zunächst ging es mir dabei um die Kritik an der Ökonomisierung des Ethischen in der abendländischen, philosophischen Theoriebildung. Als Frage bzw. Zielsetzung formuliert: Wenn dem so ist, wann hat die Ökonomisierung des Denkens begonnen und wo ist sie nachzuweisen? Es ging mir also darum, die Etablierung der ökonomischen >Denkungsart<, die von der kritischen Philosophie als die ethische Theoriebildung formierend identifiziert wurde, ausfindig zu machen. Das bedeutete auch, nach den Denkvoraussetzungen bzw. Bedingungen von >Konkurrenz<, >Wachstum<, >Tausch< etc. zu fragen. Das führte zur Kritik an abendländischen Denkweisen überhaupt, d.h. daran, wie das Soziale und der Mensch grundlegend konzipiert werden. Das stellte zugleich Grundlegungsvorstellungen an sich In Frage, d.h. die Frage nach einer anderen Grundlegung der Ethik auch methodisch oder erkenntnistheoretisch-kategorial zu stellen. Zusammengefasst bin ich zu folgenden >Ergebnissen< gekommen: 1. Die theoretischen Auffassungen der Subjekt-Genese sind zu revidieren, weil sie auf einer Anfangsaporie beruhen. Dem wird eine andere Genea-Logie zur Seite gestellt. 2. Die alteritätsethischen Modelle sind zu revidieren, weil sie eine Hierarchieumkehr vornehmen, die häufig theologisch interpretiert wird. Hier wird vorgeschlagen, das Mit-Einander als dauerhaft konstitutiv zu denken und insbesondere für die Ermöglichung einer nicht-verletzende Realisierung zu appetieren. Darin läge die normative Forderung. 3. Das ethische Moment in jedweder Interaktion Ist nicht bestimmbar - es besteht darin, je aktuell entschieden werden zu müssen oder erfahren zu werden. Damit erhalten ethische Begriffe eine andere Bedeutung, z.B. kann ,Verzeihen' nicht mehr tauschökonomisch als Schuldrückgabe, sondern als gemeinsame andere, neue Erfahrung aufgefasst werden. So ein aus der Aufklärung über unzulängliche Denkmuster und -modelle gewonnenes Nachdenken über Ethik, darüber, dass für jeden von uns dauerhaft positive Begegnungen konstitutiv sind, dass Relationalität uns überlebensfähig und resilient macht, kann auch die Grundlage für ein politisches Handeln werden: Es muss die Ermöglichung der notwendigen Bedingungen für solche konkreten Begegnungen im Auge haben.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Philosophische Methoden zur Einführung. Hamburg: Junius 2015 3. erweiterte Auflage. Hamburg: Junius 2020
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Patrick Baert. The Rise of Sartre as a public Intellectual’ in: soziopolis, 21.06.2016
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Remarks From a Continental Philosophy Point of View. Open Peer Commentary on Cybernetics, Reflexivity and Second-Order Science by Louis H. Kauffmann in: Constructivist Foundations Vol. 11/3, 15. July 2016
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Antigones Verletzungen. Anmerkungen zum Gender Trouble bei Judith Butler* in: Armin Nassehi / Peter Felixberger (Hrsg.) (2017). Kursbuch 192. Frauen II. Hamburg: Mur mann, 46-61
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Partizipative Subjektivität. Sartre mit Butler quergelesen*. In: Alfred Betschart (Hrsg.) (2017). Demokratie in der Krise - die politische Philosophie des Existentialismus heute. Bonn: Peter Lang, 45-61
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Wie subsidiär ist (der) ‚Care‘(-Diskurs)?. FEMINA POLITICA – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft, 26(2), 19-33.
Stiegler, Michael & Schönwälder-Kunze, Tatjana
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Foucault gegen Foucault’ in neue politische literatur, Jg. 63 (2018), H. 2, 538-540
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Haben philosophische Methoden politisches Gewicht?. Judith Butlers Philosophie des Politischen, 23-44. transcript Verlag.
Schönwälder-Kuntze, Tatjana
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Judith Butlers begrenzend-öffnende Kritik* in: Johannes Ungelenk etal. (Hrsg.) (2018). Widerständige Theorie. Kritisches Lesen und Schreiben. Berlin: Neofelis, 253-260
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Judith Butlers Philosophie des Politischen. transcript Verlag.
Posselt, G.; Schönwälder-Kuntze, T. & Seitz, S. (Eds.)
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Carla Schriever. Der Andere als Herausforderung. Konzeptionen einer neuen Verantwortungsethik bei Levinas und Butler* in Theologische Revue Jg. 115 (2019) Nr. 6, Sp. 501- 502
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Feminismus – eine regulative Idee. Liberalismus: Traditionsbestände und Gegenwartskontroversen, 315-336. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.
Schönwälder-Kuntze, Tatjana
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Vernunft braucht keine Rechtfertigung. Ein fiktives Interview mit Aristoteles und Imma nuel Kant zu moralischen Perspektiven im Change Management* in: OrganisationsEntwicklung Nr. 412019, 79-82
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze & H.-P. Ludwig
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Apologetische Diskursbeobachtungen. Anna Maria Riedl über das Potenzial einer poststrukturalistischen Perspektive für die Theoriebiidung christlicher Sozialethik: in ethik und gesellschaft 1/2020: Kritik der Identitätspolitik, ökumenische Zeitschrift für Sozialethik
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Methode als Haltung: der doppelte hermeneutische Respekt< in: Christiane Thompson et al. (Hrsg.) (2021). Praktiken und Formen der Theorie. Perspektiven der Bildungsphilo sophie. Weinheim: Beltz Juventa, 280-295
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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,Nachdenken über Möglichkeiten und Grenzen der Methodisierung philosophischer For schung' in: Breyer, TImo / Grouls Niklas / Martena, Laura (Hrsg.). Anspruch und Methode der Philosophie. Darmstadt: wbg
Tatjana A. Schönwälder-Kuntze
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Schwerpunkt: Diskursbeobachtungen – Care, Sorge und Fürsorge. Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 70(1), 87-95.
Schönwälder-Kuntze, Tatjana
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L(i)ebe(n) im semantischen Raum der Theologie – Anmerkungen zu Hegel, Butler und Derrida. Konfigurationen der Liebe, 84-104. Evangelische Verlagsanstalt.
Schönwälder-Kuntze, Tatjana
