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Prekäre Identitäten: Gifte und Vergiftungen als wissenschaftliches Sujet 1750-1930

Fachliche Zuordnung Wissenschaftsgeschichte
Förderung Förderung von 2012 bis 2017
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 214100253
 
Das Projekt zielt auf eine experimentalhistorisch informierte Begriffsgeschichte der Gifte von 1750 bis 1930 in Westeuropa; es verfolgt die Toxikologie als wissenschaftliches Feld im internationalen und interdisziplinärem Austausch zwischen Medizin, Pharmazie, Forensik und Staatsheilkunde. In wissenschaftlichen – wie literarischen – Produktionen wurden prominente Giftmordprozesse ebenso wie neue Nachweisverfahren rhetorisch ähnlich verhandelt. Die einsetzende Verwissenschaftlichung und Experimentalisierung verminderten die Mehrdeutigkeit des Objekts „Gift“ nicht; dieses artikulierte auch in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit Unsicherheiten. Mit der lebhaften internationalen Kommunikation spektakulärer Eigenschaften kontrastierten kulturelle Besonderheiten, z.B. das deutsche Interesse an Definitionsfragen oder die englische Skepsis gegenüber unerwarteten Wirkungen von Giften. Deren Problematisierung wandelte sich im Kontext von Industrieproduktion, Staatsmacht, Wissenschaft etc.. Begriffliche Koppelungen zwischen dem Spektakulär-Exotischen, dem Unsichtbaren und dem Verderblichen bestanden während des gesamten Untersuchungszeitraums, aber ihre Konnotationen wechselten. Exotische Herkunft (Coca, Curare) oder Konsumgewohnheiten (Arsen) und das Grundmotiv „kleine Menge/große Wirkung“ lassen die Wissenschaftsgeschichte der Gifte als auszulotenden Raum des Imaginären erscheinen. Gifte entsprechen dem Begriff der „prekären Stoffe“. In Zusammenarbeit mit dem filmwissenschaftlichen Projekt sowie mit kooperierenden LiteraturwissenschaftlerInnen wird die analytische Perspektive des Abjekts erprobt, die hier in innovativer Weise als epistemologische (nicht wie üblich als psychologische) Kategorie verstanden wird.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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