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Nüchternes Kalkül - Verzehrende Leidenschaft: (Vorgebliche) Nahrungsabstinenz im 16. Jahrhundert
Antragstellerin
Privatdozentin Dr. Waltraud Pulz
Fachliche Zuordnung
Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung
Förderung von 2006 bis 2008
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 21440083
Gegenstand der Analyse sind die vielschichtigen Bedeutungen und Funktionen, die lang währende - und d.h., glaubt man den Protagonistinnen und Berichterstattern, jahrelange - Nahrungsenthaltung in der Frühen Neuzeit gehabt hat. Ausgehend von illustrierten Flugblättern und im Rückgriff auf medizinische Fallgeschichten, Verhörprotokolle, Chroniken und Reisebeschreibungen wird gezeigt, wie Verhalten und Selbstdarstellung der (vorgeblich) Nahrungsabstinenten sowie die Reaktionen und Zuschreibungen der Umwelt vorgängigen Bildern von mystisch-charismatischer Heiligkeit sowie überkommenen humoralmedizinischen Körperkonzepten folgten, dabei aber keineswegs in einer Verkörperung dieser Konzepte aufgingen. Anhand von Fallstudien werden Einblicke in die Handlungsräume zeitgenössischer Frauen wie auch in wissenschaftliche Erkenntnisprozesse sowie in die spezifischen Merkmale frühneuzeitlicher Spiritualität vermittelt, insbesondere in das Weiterbestehen 'mittelalterlicher' Frömmigkeitsformen auch im lutherischen und reformierten Bereich. Gezeigt wird gleichzeitig der Wandel, die zunehmend systematische Kontrolle der charismatischen ‚Exzesse’ von kirchlicher und weltlicher Seite, die Tendenzen zur Disziplinierung, Rationalisierung, Verinnerlichung, wobei Vorstellungen von einem kontinuierlichen Säkularisierungsprozess zurückgewiesen werden.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
