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Gesünder leben. Die Lebensreformbewegung im 2o. Jahrhundert
Antragstellerin
Dr. Florentine Fritzen
Fachliche Zuordnung
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung
Förderung in 2006
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 24039742
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel der Lebensreformbewegung mit der deutschen Gesellschaft. Anders als die bisherige Forschung begreift sie die Lebensreform nicht als bloßes Phänomen der Jahrhundertwende, sondern verfolgt ihre Geschichte in einem Mischansatz aus Systematik und Chronologie über das gesamte 20. Jahrhundert - bis zum Aufgehen der Lebensreform im allgemeinen Wellness- und Gesundheitsmarkt in den 1990er Jahren. Dass die Bewegung somit ein „Jahrhundertphänomen" war, wird insbesondere an der Reformwarenwirtschaft aufgezeigt, also an den Organisationen der Reformhäuser und der Reformwarenproduzenten. Die Reformwarenbranche schob sich in der Zwischenkriegszeit ins Zentrum des lebensreformerischen Netzwerks. Die Arbeit analysiert die longue duree der Lebensreform in institutionen-, diskurs- und konsumgeschichtlicher Hinsicht. Sie betrachtet also einerseits das organisatorische Netzwerk der Lebensreform und ihre Entwicklung vor dem jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Hintergrund (Entstehung des lebensreformerischen Netzwerks im wilhelminischen Kaiserreich, organisatorische Verstetigung in der Weimarer Republik, Gleichschaltung im „Dritten Reich", Wiederaufbau nach 1945) und andererseits die Produkte und Ideen, die die Reformhäuser verbreiteten. Zu den Ideen der Reformer gehören sich verändernde Semantiken, die zeittypisch waren (Betonung des Körpers in der Zwischenkriegszeit, Hinwendung zur „äußeren Natur" in der zweiten Jahrhunderthälfte), und Diskurse wie die über Gesundheit, Ganzheitlichkeit, Natur und Reform, die über das gesamte 20. Jahrhundert bestehen blieben. Als Quellen dienen vor allem die seit der Zeit der Weimarer Republik bestehenden Kunden- und Branchenzeitschriften der Reformhäuser und ihrer genossenschaftlichen Organisation, der „Neuform".
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
