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Montfort und der frühe Burgenbau des Deutschen Ordens

Antragsteller Dr. Thomas Biller
Fachliche Zuordnung Kunstgeschichte
Förderung Förderung von 2013 bis 2015
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 241795051
 
Montfort bei Akko (Israel) wird seit dem 19. Jh. meist als „erste" Burg des Deutschen Ordens angesprochen, was nicht ganz richtig ist, weil der Orden in Palästina schon zuvor Burgen erworben hatte. Aber Montfort bleibt, auch nach unseren Ergebnissen, die erste Burg, die der erst 35 Jahre alte Orden 1226 ganz neu erbaute (Th. Biller). Ob diese Sonderstellung ungewöhnliche Formen und Funktionen hervorbrachte, die evtl. auch auf den bedeutenden Burgenbau des Ordens in „Preußen", nach 1300 einwirkten, ist weiterhin klärungsbedürftig, insbesondere, weil dazu Behauptungen vorliegen, die teils bereits widerlegt sind, teils aber auch trotz fehlender Beweise weiterwirken.Die Ruine, zu der Montfort nach nur 45 Jahren 1271 durch Sultan Baibars wurde, bietet sich für die Analyse durch Bauforschung und architekturgeschichtlichen Vergleich an, weil die Kemburg bereits 1926 durch das Metropolitan Museum of Art, N. Y., freigelegt wurde. Dadurch ist sie im Sinne heutiger archäologischer Methodik zwar teils entwertet, aber für eine Analyse des Baues entstanden gute Voraussetzungen, weil die Mauern weitgehend frei liegen. Die Indizien zur Bauabfolge der Burg wurden von den Ausgräbern 1926 kaum verstanden, und auch spätere Publikationen verbesserten die Deutungen nur langsam. Die Analyse der Baureste mit dem Ziel einer zunächst relativen Chronologie ist daher Ausgangspunkt unserer Arbeit. Dem Versuch, die Phasen zu datieren, dient neben der stilgeschichtlichen Würdigung vor allem eine kritische Auswertung der Schriftquellen, die die Burg berührten. Aus der Klärung ihrer baulichen Entwicklung sind neue Erkenntnisse zu den Funktionen und zum stilistischen Hintergrund zu gewinnen, der entgegen älteren Ideen keineswegs „deutsch" war.Adrian Boas (Haifa) hat jüngst in dem kleinen noch schuttbedeckten Kemburgabschnitt gegraben; neue Beobachtungen zum Baulichen werden wir einarbeiten. Begonnene Grabungen in der Vorburg werden noch lange dauern; bisher sind über diesen Burgteil wenig Aussagen möglich. Die Kooperation mit A. Boas soll zunächst in der Publikation einer englischen Fassung unserer Arbeit bestehen.Über Montfort hinaus geht es uns auch um alle Burgen und Sitze des Deutschordens bis in die Zeit um 1300. Näher beleuchtet wenden zunächst die Burgen in Kilikien (T. Radt), bei denen meist zu klären bleibt, welche Bauteile dem Orden zuzuschreiben sind. Vor allem Haruniye, das lange dem Kalifen Harun al- Raschid (reg. 786-809) zugeschrieben wurde, ist höchstwahrscheinlich ein mit Montfort gleichzeitiger, baulich nahe venti/andter Neubau des Deutschen Ordens. Die frühen Sitze des Deutschen Ordens im Abendland werden einleitend von D. Burger untersucht; da der Anteil des baulich Erhaltenen hier gering ist, nutzt dieser Teil primär historische Methodik. Auch diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Montfort und der anderen Burgen im Mittelmeerraum als früheste bauliche Äußerung eines der wichtigsten Ritterorden.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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