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Al Andarin, das antike Androna , Band I,Survey und Grabungen 1997-2006, Die Umfassungsmauern und das Kastron, mit Beiträgen von Güler Ates und Peter Knötzele
Antragstellerin
Professorin Dr. Christine Strube
Fachliche Zuordnung
Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Förderung
Förderung von 2013 bis 2015
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 249439650
Androna, das heutige al Andarin in Zentralsyrien wird im Itinerarium Antonini des späten 3. Jahrhunderts n. Chr. als mansio der von Chalkis nach Isriye führenden Straße genannt und tritt in späteren Quellen als kome auf. Die ungewöhnliche Größe des Ortes (160 ha) und der reiche Befund seiner Bauten (zwei Umfassungsmauern, 10 Kirchen und ein öffentliches Bad) wurden schon früh auf ein aufwendig angelegtes Bewässerungssystem zurückgeführt. Androna ist die erste von circa 300 Siedlungen Zentralsyriens, die durch Grabungen erforscht wird. Im Jahr 1997 wurde vonseiten des deutschen Teams eine internationale Zusammenarbeit mit einem britischen und einem syrischen Team organisiert Schwerpunkt des britischen Teams war die Rekonstruktion des Bewässerungssystems der Umgebung von Androna, während das syrische Team eine früharabische Badanlage im Zentrum des Ortes freilegte. Die Ergebnisse des britischen Teams wurden in einem Vorbericht publiziert, die Endpublikation wird vorbereitet. Die Arbeiten des deutschen Teams begannen 1997 mit der geodätischen Aufnahme der Siedlung, begleitet von umfangreichen Studien der Oberflächenbefunde. In den folgenden Kampagnen wurden dann einzelne Trakte des Kastrons, jeweils zwei Toranlagen des inneren und des äußeren Mauerringes sowie ein großer Hauskomplex im Nordteil des Ortes freigelegt. Dies sind die Ergebnisse zu den Verteidigungsanlagen und den Hauptbauten Andronas: Der innere, über weite Strecken hin systematisch abgetragene Mauerring aus Basalt ist älter als die wesentlich besser erhaltene Außenmauer. Er umschloss ein Siedlungsareal von circa 90 ha, dessen Entwicklung bis in das 5. Jahrhundert hinein verfolgt werden kann. Die Außenmauer - aus Lehmziegeln in Kombination mit Basaltquadern errichtet - umschloss das auf 160 ha erweiterte Siedlungsgebiet. Die Datierung der beiden Mauerringe und die Frage, wann die Basaltmauer abgebaut wurde, führen zu der Errichtung des Kastrons im Zentrum des Ortes, und d.h., der historischen Situation der Region in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts und in den Jahrzehnten nach der Eroberung Antiochias 540 n. Chr.. Die Konstruktion des Kastrons - fertiggestellt 559 n. Chr., circa 6200 qm groß und gestiftet von Thomas einem reichen Einwohner Andronas - ist aufs engste mit den großen nordsyrischen Städten verbunden und zugleich in lokaler Bautradition verankert. Über den Erdgeschossräumen mit eindeutig militärischer Funktion liegen obere Wohnräumen, deren außerordentlich reiche Ausstattung mit importierten Marmor- und Porphyrelementen sowie Gewölbemosaik von höchster Aussagekraft für den Kontakt zwischen ländlichem und städtischem Bereich in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts ist. Das Kastron wurde schon in frühomayyadischer Zeit nachgenutzt und informiert - zusammen mit dem omayyadischen Bades vor seiner Westseite - durch Inschriften, Wandmalerei und Kleinfunde über die Situation Andronas im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. Es bleibt auch in den folgenden Jahrhunderten Hauptquelle für die Geschichte Andronas in arabischer Zeit, da es bis in das 14. Jahrhundert hinein nachgenutzt wurde. Die Aufnahmen zum Erhaltungszustand der Hauptbauten Andronas und die Grabungsarbeiten zu seinen Verteidigungsanlagen haben Grundlagen geschaffen, auf deren Basis ältere Thesen zur Geschichte der Siedlung im 5. und 6. Jahrhundert, zu ihrer Funktion als einer der „villes de refuge", zur zeitlichen Einordnung des Bewässerungssystems außerhalb des Ortes sowie zur Situation Andronas nach der arabischen Eroberungswelle des 7. Jahrhunderts neu zu diskutieren sind. Die Publikation der reichen Befunde des Hauskomplexes im Nordteil von Androna soll im Zentrum eines zweiten Bandes stehen, der auch die Auswertung der Tierknochen und die Dokumentation der Steingärten enthalten wird.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
