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Pathways to (natural) parenthood. Management of consent and dissent in the dynamics of couples.

Subject Area Empirical Social Research
Term from 2013 to 2016
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 250199897
 
Final Report Year 2016

Final Report Abstract

Junge Frauen und Männer sind heute weniger strikt als etwa noch vor zwei Generationen auf ein Lebensprogramm für Paare festgelegt, das auch Kinder einschließt. Sie stehen vielmehr vor der Herausforderung, ihr Leben selbst zu steuern und Verantwortung für ihren Lebensverlauf zu übernehmen. Dies gilt auch in Bezug auf die Kinderfrage. Wie aber bewältigen sie diese Aufgabe? Begriffe wie reproductive decision-making oder bargaining unterstellen einen Abstimmungsprozess in Paarbeziehungen, der als Verhandlung in eine Entscheidung bzw. Vereinbarung mündet. Die Wege in die Elternschaft verlaufen nach den im Projekt gewonnenen Erkenntnissen allerdings deutlich variationsreicher. Narrative Einzel- und Paarinterviews bieten einen Einblick in die black box der Paardynamik. Es gibt auch heute viele Paare, die die Kinderfrage nicht diskutieren, weil ein Leben nach dem institutionalisierten Lebensprogramm für sie selbstverständlich ist. Für diese Paare ist ein gemeinsames Kind nach der Konsolidierung und Bewährung ihrer Paarbeziehung „der nächste logische Schritt“, wie sich einer der befragten Väter ausdrückt. Religiös stark gebundene Paare verstehen Kinder als Geschenke Gottes. Sie verzichten über viele Jahre auf jede Steuerung ihres Familienbildungsprozesses. In kurzen und (noch) unverbindlichen Paarbeziehungen scheinen sich die meisten Paare unausgesprochen darin einig zu sein, dass sie mit ihrem Geschlechtsverkehr jetzt kein Kind zeugen wollen. Irrtümer, Versäumnisse und mangelnde Kommunikation führen bei diesen sexuell aktiven Paaren gelegentlich zu einer Schwangerschaft, über die niemand bewusst entschieden hat. Sie „stolpern“ in die Elternschaft oder werden „übertölpelt“, wie sie sich ausdrücken. In Milieus, in denen eine Familiengründung auch nach Bewährung einer Paarbeziehung nicht mehr selbstverständlich ist, gehen viele Frauen und Männer davon aus, dass sie erst einmal den ‚richtigen‘ Partner bzw. die Partnerin dafür finden müssen. Sie versuchen, mehr oder weniger verdeckt Klarheit über die Haltung ihres Partners bzw. ihrer Partnerin zu gewinnen und im Falle eines Dissens den anderen zu beeinflussen. Die Auseinandersetzung mit dem Dissens und ggf. auch der Wechsel von der Verhütung zur Prozeption ist für diese Paare eine brisante Phase. Bei Dissens in der Kinderfrage sind die folgenden Strategien zu beobachten: Eine frühzeitige Thematisierung des Kinderwunsches und Ansätze zu einer Absprache (1), ein ständig wiederkehrendes Aufwerfen der Kinderfrage (2), ein einfühlsames Warten oder unglückliches Ausharren (3), im Einzelfall auch ein Verhandeln mit gemeinsamem Beschluss im Sinne des Bargaining (4), ein Austausch von Argumenten pro und kontra Kind und über sein Timing ohne einen gemeinsamen Beschluss (5), ein apodiktisches Ablehnen eines Kindes, die Verweigerung der Kooperation oder gar die Trennung (6), ein unabgesprochenes Schaffen von Fakten pro oder kontra Kind (7) und last not least das Nutzen der Rechtslage, etwa des § 218, der schwangeren Frauen das Recht gibt, allein über das Austragen oder den Abbruch einer Schwangerschaft zu entscheiden (8). Keiner der Partner bzw. Partnerinnen ist auf nur eine Strategie festgelegt. Auf eine kooperative Strategie, zum Beispiel das Warten (3), kann er oder sie eine weniger kooperative folgen lassen, etwa das heimliche Absetzen eines Verhütungsmittels (7). Oft findet kein gemeinsames reproductive decision-making statt. Für die Erledigung des Dissens – von der Bildung eines Konsens kann man vielfach gar nicht sprechen – sind oft weniger die kooperativen als vielmehr die nicht kooperativen Strategien der PartnerInnen und/oder das zufällige und undurchsichtige Zusammenwirken von Körpern und Verhütungsmitteln entscheidend.

Publications

  • Das Timing von Kindern. Relationale Praktiken in spätmodernen Beziehungswelten, in: Journal für Psychologie 1/2016
    Cornelißen, Waltraud
 
 

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