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ÜberReste. Strategien des Bleibens in den darstellenden Künsten

Fachliche Zuordnung Theater- und Medienwissenschaften
Förderung Förderung von 2014 bis 2018
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 250564335
 
Erstellungsjahr 2018

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Forschungsprojekt „ÜberReste. Strategien des Bleibens in den darstellenden Künsten“ hat mit der initialen Analysefigur der Reste grundlegende Konzepte und Verfahren der Lagerung, Rekonstruktion und Wiederkehr in Tanz und (Musik-)Theater untersucht. Grundsätzlich wurden dabei die jeweiligen ontologischen Verfasstheiten und Erschütterungen jener ‚Reservoirs‘ des Aufgeführten auf den Prüfstand gestellt. Insbesondere Tanz fordert herkömmliche Begriffe des Lagerns und Speicherns heraus: Er destabiliert und öffnet jene Apparate und Ordnungen des Wissens, deren Diskurse besonders die Dispositive von Dokument, Archiv und Zeitzeugenschaft prägen. Das Projekt zeigte, inwiefern jene Kategorien sowohl zeitlich wie materiell destabilisiert und dynamisiert werden: Als unvollständiges, bewegliches ‚Träger‘medium wurde das Dokument als ‚Wahrheitsfigur‘ und als Dispositiv des Bewahrens verunsichert, ebenso wie das Archiv, das als ein situatives und mithin mobilisiertes zu verstehen ist. Überdies konnte dargelegt werden, inwiefern das Modell von Zeugenschaft als Garant für ‚objektive‘ Erkenntnis nicht nur in Verfahren der Tanzrekonstruktion, sondern bereits in den juridischen wie philosophischen Konzepten als ein brüchiges konstituiert ist. Hinsichtlich Aufführungsvideos als dynamischer Erinnerungskonserve von Musiktheater konnte aufgezeigt werden, inwiefern medienwissenschaftlich informierte Aufführungsanalysen die Fähigkeiten von Sprache und Technik reflektieren, überlagernde Zeitlichkeiten zu produzieren. Produktiv wurde dabei die je subjektive Verfasstheit der Wahrnehmung von Aufführungen und ihrer ‚nachfolgenden‘ Aufzeichnungen sowie die Analyseperspektive der Transitionalität von Aufführungen, welche diese jenseits der Dichotomien von Flüchtigkeit – Dauerhaftigkeit positioniert. Schließlich wurden Phänomene der Wiederholung und der Wiederkehr im Tanz fokussiert und dabei besonders die Möglichkeit des Zitats in dieser Kunstform. Das Projekt unternahm eine phänomenologische Begriffserweiterung des Zitats ausgehend von Erfahrungen des Déjà-vus im Zuge von Tanzaufführungen. Das Zitat wurde als bewegtes Phänomen der Wahrnehmung herausgestellt und im Kontext der performativen Künste als choreografierte Berührung situiert, die zwischen künstlerischer Intention und intendierter Wahrnehmung siedelt. Insgesamt prägend und zielführend war die Perspektive des Recyclings: von Übertragungsprozessen zwischen dem Aufgeführtem und dessen (dokumentarischen) Überresten sowie von Wiederholungsphänomenen im Aufgeführten selbst – für beide wurde eine genuinen Medialität und mithin ontologische Instabilität der beiden bis vor Kurzem zumeist noch als oppositionell gefassten Bereiche Aufführung versus ‚Hinterlassenschaften‘ konstatiert. Damit leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zu Begriffs- und Konzepterweiterungen im Rahmen der aktuellen Diskussionen in der Tanz- und Theaterwissenschaft. Radioberichte über das internationale projektbezogene Symposium „ÜberReste. Strategien des Bleibens in den Darstellenden Künsten“ (Sophiensæle Berlin, 28.-30. 2016) wurden auf Deutschlandradio Kultur und im Deutschlandfunk gesendet (Elisabeth Nehring): https://www.deutschlandfunk.de/kultur-heute-sendung-von-01-mai2016.691.de.html?dram: article_id=353000

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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