MESUT 2: Developing mathematical conceptual understanding with language support: Empirical study in the opportunities-use-framework on differential conditions of success for content- and language-integrated interventions
Final Report Abstract
Fachliches und sprachliches Lernen zu integrieren ist hoch relevant und aktuell für Bildungspolitik und Unterrichtsentwicklung. Das Projekt MESUT (Mathematisches Verständnis Entwickeln mit SprachUnTerstützung) zielte auf ein vertieftes Verständnis der Wirkungsweisen und Gelingensbedingungen sprachbildenden Fachunterrichts für Lernende mit heterogenen Lernvoraussetzungen. Im theoretischen Rahmen des Angebots-Nutzungs-Modells wurde dazu eine cluster-randomisierte Interventionsstudie durchgeführt, in der n = 589 ein- und mehrsprachige Lernende aus Klasse 6/7 mit heterogener Sprachkompetenz aus schulerfolgreichen und risikohaften Lernmilieus in Kleingruppen (je 4-6 Lernende) zum konzeptuellen Verständnis von Brüchen gefördert wurden (5 x 90 min). In 49 Kleingruppen wurden die Lehr-Lernprozesse videographiert und bzgl. der realisierten Unterrichtsqualität untersucht, so dass die Qualität der Lernangebote und der Lernendennutzung zu den Lernzuwächsen in Beziehung gesetzt werden konnte. Die empirischen Analysen brachten folgende vier wichtigste Befunde: 1. Lernwirksamkeit des sprachbildenden Fachunterrichts für alle Lernenden unabhängig von den Lernvoraussetzungen: Es konnte gezeigt werden, dass nicht nur (wie bisher bekannt) fachlich und sprachlich schwache, mehrsprachige Lernende aus dem Risikomilieu durch sprachbildenden Fachunterricht einen größeren fachlichen Leistungszuwachs erzielen können, sondern eine deutlich erweiterte Zielgruppe: Auch einsprachige Lernende, sprachlich starke Lernende und Lernende mit bislang größerem Schulerfolg profitieren signifikant von der Förderung. Diese Befunde sind von höchster unterrichtspraktischer Bedeutung für einen inklusiven Unterricht. 2. Große Unterschiede in der realisierten Unterrichtsqualität und methodische Vorschläge zu ihrer Erfassung: Durch gleiche Unterrichtsmaterialien wurde die Aufgabenqualitäten in allen 49 videographierten Fördergruppen konstant gehalten, gleichwohl identifizierte die Videostudie variierende Interaktionsqualitäten. Bislang wurde Interaktionsqualität sehr heterogen konzeptualisiert und operationalisiert. Daher wurde in MESUT ein methodischer Rahmen erarbeitet, um unterschiedliche Konzeptualisierungen von Angebotsqualitäten (kommunikative, konzeptuelle, diskursive oder lexikalische Aktivierung) sowie Nutzungsqualitäten (individuelle kommunikative, konzeptuelle, diskursive oder lexikalische Partizipation) sauber zu unterscheiden, auf drei Wegen zu operationalisieren (aufgaben-, impuls- oder praktikenbasiert) und zu vergleichen. In der Tat zeigten sich nicht nur Unterschiede zwischen den Gruppen, sondern auch erhebliche Unterschiede bei verschiedenen Konzeptualisierungen von Interaktionsqualität und bei verschiedenen Operationalisierungen zur gleichen Konzeptualisierung. Diese Befunde sind von hoher methodologischer Relevanz, zeigen sie doch den Bedarf, die Konzeptualisierungen und Operationalisierungen jeweils expliziter auszuweisen und zu reflektieren. 3. Lexikalische Aktivierung und konzeptuelle Aktivierung zeigen zusätzliche Wirkungen auf Lernzuwächse: In multiplen Regressionen wurden 17 Qualitätsmerkmale darauf untersucht, inwiefern sie (unter Berücksichtigung der individuellen Lernvoraussetzungen und Lernmilieus) prädiktiv sind für höhere Lernzuwächse im konzeptuellen Verständnis. In den Regressionsanalysen erwies sich die lexikalische Aktivierung (Zeitanteile verwendet auf integrierte Wortschatzförderungsimpulse) für alle Lernenden als prädiktiv und für Lernende der Risikogruppe auch die konzeptuelle Aktivierung in den realisierten Diskurspraktiken (Zeitanteile verwendet z.B: auf Erklären von Bedeutungen). Diese Befunde sind von hoher Relevanz für Fortbildungen von Fachlehrkräften, die die lexikalische und konzeptuelle Aktivierung in ihren Gesprächsführungsstrategien stärken können. 4. Mikro-Adaptivität der Interaktion erst in qualitativen Analysen erfassbar: In einer qualitativen Analyse wurden auch die Tiefenstrukturen der Interaktion erfasst, sie lassen sich als gegenstandsbezogene Navigationen charakterisieren. Diese Perspektiven sind bereits eingeflossen in Interaktionsanalysen in anderen Themengebiete und zur Sensibilisierung von Lehrkräften in Fortbildungen.
Publications
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