Ökumene im urbanen Raum. Interkonfessionalität und religiöse Zusammenarbeit in New York City
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsprojekt untersuchte am Beispiel New York die interkonfessionelle und religiöse Zusammenarbeit in urbanen Räumen und entwickelte davon ausgehend Ansätze für eine ökumenische Hermeneutik im 21. Jahrhundert. Die global city New York stellt sich als ein Ort dar, in dem sich globale Veränderungen wie in einem Brennglas abzeichnen. Migration, Klimawandel, kulturelle Vielfalt, Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten sind Themen, die die gesellschaftspolitische Agenda der Stadt gegenwärtig prägen. Die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften setzen sich in interreligiösen Kooperations- und Aktionsformen mit diesen Themen auseinander und prägen dadurch erheblich den gesellschaftspolitischen Diskurs in der Stadt. Dieser Einsatz für sozialethische Themen prägt gegenwärtig die ökumenische Zusammenarbeit in New York. Dagegen ist zu beobachten, dass der traditionelle ökumenische Dialog zwischen den christlichen Konfessionen kaum präsent ist und zugunsten eines umfassenderen interreligiösen Dialogs aufgelöst wird. Doch auch hier finden weniger Gespräche über theologische Lehrinhalte als vielmehr über ethische Wertorientierungen statt. Eine wichtige Erkenntnis des Forschungsprojektes ist es, dass die traditionelle ökumenische Sprache wenig weiterführend ist zur Beschreibung des gegenwärtigen Wandels religiöser Kooperationsformen. In Anlehnung an die Beschreibung von New York als postmoderner und postsäkularer Stadt wurde daher der Begriff „post-ökumenische Zusammenarbeit“ geprägt. Mit dieser semantischen Verschiebung ist es möglich, neue Tendenzen in der interkonfessionellen und interreligiösen Zusammenarbeit (Abwendung von traditionellen interkonfessionellen Dialogen zum interreligiösen Dialog, neue Akteure und Aktionsformen, Verortung globaler Themen in lokaler Perspektive) zu beschreiben, ohne aber den Ökumene-Begriff und den Bezug zur facettenreichen Geschichte der ökumenischen Bewegung im 20. Jahrhundert aufzugeben. Das Thema Migration stellt ein hervorragendes Beispiel dar, an dem die Kennzeichen einer post-ökumenischen Ära exemplarisch herausgearbeitet werden können und welches aus theologischer Perspektive Fragen zu (religiöser) Identität, Vielfalt, Dominanz, Grenze(n), Gemeinschaft bearbeitet. Für die ökumenische Hermeneutik ist damit ein Diskurs eröffnet, der sich nicht mehr an der „Krise der Ökumene“ abarbeitet, sondern der innovativ auf den Wandel im Ökumeneverständnis reagiert. Die sich an das Forschungsprojekt anschließende Studie wird sich diesem Problemfeld widmen und im transnationalen Vergleich die Kennzeichen post-ökumenischer Zusammenarbeit ausbauen. Damit wird ein dringend notwendiger Beitrag zur Entfaltung einer ökumenischen Hermeneutik für das 21. Jahrhundert geleistet.
