Bett und Bad. Objekte und Räume therapeutischen Handelns in der Psychiatrie des 19. und 20. Jahrhunderts. Grundzüge einer materialen Psychiatriegeschichte
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsprojekt nahm die Einführung der Bettbehandlung und des Dauerbads in die deutschsprachige Psychiatrie des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zum Ausgangspunkt, um am Beispiel des Krankenbettes und der Badewanne nach den materialen Dimensionen psychiatrischer Praxis zu fragen. Sowohl die Bettbehandlung als auch das Dauerbad basierten auf der liegenden Haltung der Patient*innen, sei es in einem Krankenbett oder in einer mit lauwarmem Wasser gefüllten Wanne, wobei die Behandlungen auf mehrere Tage, Wochen oder auch Monate anberaumt werden konnten. Mit der Einführung der Behandlungsmethoden sollte eine „moderne“ und „humane“ Psychiatrie begründet werden, für die Bett und Bad zentrale Bausteine darstellten, die neue psychiatrische Räume hervorbrachten. Ziel des Projekts war es, eine Psychiatriegeschichte aus der Perspektive von Bett und Bad zu schreiben und dafür Ansätze der Material Culture Studies produktiv zu machen. Am Beispiel des Krankenbettes und des Dauerbades konnte dargelegt werden, in welcher Weise die Behandlungsformen über das Arrangement von Räumen (Krankensaal, Baderaum), Dingen (Bett, Wanne) und Körpern (Patient*innen, Ärzte, Pfleger*innen) und den sie hervorbringenden Praktiken, Wahrnehmungen und Sinnesregimen ihre vielfältigen Wirkungen entfalteten, die nicht bloß auf eine Beruhigung der Patient*innen abzielten, sondern den Patient*innen auch suggerieren sollten, krank und daher behandlungsbedürftig zu sein. Auf Basis einer qualitativen Quellenauswertung wurde ausgearbeitet, welche Praktiken die Objekte sowohl auf Seiten der Behandelten als auch auf Seiten der Behandler evozierten, mit welchen Wahrnehmungen diese verschränkt waren, in welcher Weise sie Begegnungen und Beziehungen rahmten und welche räumlich-materiellen sowie sinnlichen Konfigurationen sie ausbildeten. Für das Projekt wurde Fachliteratur aus der Zeit zwischen 1860 und 1960 bzw. 1985, Verwaltungs- und Krankenakten verschiedener Kliniken und Anstalten sowie eine Fotosammlung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen ausgewertet. Für die Recherche nach Selbstzeugnissen von Patient*innen wurden die Bestände der Sammlung Prinzhorn, des Psychiatriemuseums Bern und die Bilddatenbank des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft herangezogen. Die Ergebnisse des Projekts können zu einem tiefergehenden Verständnis von Krankheitserfahrungen beitragen, die vielfach durch die Praktik des Liegens geprägt sind, und sensibilisieren für die Bedeutung der materiellen Umwelt in diesem Zusammenhang.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Wahnsinn, Psychiatrie und Raum. Begleitheft zum Themenschwerpunkt im Medizinhistorischen Museum. Hamburg
Ankele, Monika
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„Die gelbe Tapete“, Medizinhistorisches Museum Hamburg, 03.10.2015
Monika Ankele
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Aufführen, Aufzeichnen, Anordnen: Zur Provokation von Sichtbarkeit in therapeutischen Kontexten, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des UKE Hamburg in Kooperation mit der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg, 27.- 28.05.2016
Monika Ankele, Céline Kaiser & Sophie Ledebur
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The sickbed as a ‘patient-maker’? Reflections on a (seemingly) common object and its meaning for psychiatry, Internationale Konferenz „Objects of psychiatry: Between thing-making, reification and personhood“, Burghölzli, Zürich, 11.06.2016
Monika Ankele
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Bedside Scenes. On the Scenography and Performativity of the Sickbed, Symposium „Spectacular Evidence: Theatres of the observed mind“, Artsadmin/Toynbee Studios, London, 24.03.2017
Monika Ankele
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Das Krankenbett als Objekt, Raum und Material, Alpe-Adria- Universität Klagenfurt, 19.12.2017
Monika Ankele
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From an object’s view: Das Krankenbett und die materielle Kultur der Psychiatrie, Internationales Forschungszentrum für Kulturwissenschaften, Wien, 27.03.2017
Monika Ankele
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,,Material Cultures of Psychiatry“, Internationale Tagung, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf / Medizinhistorisches Museum Hamburg in Kooperation mit der Universität Luxemburg (Benoît Majerus), 02.-04.05.2018
Monika Ankele
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Das Krankenbett als Beziehungsraum, Vortragsreihe „studio“, Mariann-Steegmann-Institut, Universität Bremen, 23.01.2018
Monika Ankele
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Im Dialog. Lesende PatientInnen. Historische Anthropologie, 26(1), 8-28.
Ankele, Monika
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Sich aufführen. Rauminterventionen und Wissenspraktiken in der Psychiatrie um 1900. Aufführen – Aufzeichnen – Anordnen, 71-89. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Ankele, Monika
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Aufführen – Aufzeichnen – Anordnen. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Ankele, Monika; Kaiser, Céline & Ledebur, Sophie (Eds.)
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Horizontal Scenographies. The Sickbed as a Setting of Psychiatric Subjectivation. Scenographies of the Subject, 43-58. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Ankele, Monika
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The blanket. Textile architectures in psychiatric institutions around 1900, Konferenz „Material medicine: Objects and Bodies”, Association for Medical Humanities, University of Plymouth, 26.06.2019
Monika Ankele
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„Das Krankenbett. Von der Wahrnehmung der Welt im Liegen“, Medizinhistorisches Museum Hamburg, 14.11.2019
Monika Ankele
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Constructing Objects, Transforming Practices: The Sickbed in Psychiatry, Konferenz „Feeling Dis/ease”, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin, 31.01.2020
Monika Ankele
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Material Configurations of Care and their Ethical Implications. The Prolonged Bath in Psychiatry, in: European Journal for Nursing History 1/2020, S. 101-123, open access.
Ankele, Monika
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Material Cultures of Psychiatry. Histoire, 10-29. transcript Verlag.
Ankele, Monika & Majerus, Benoît
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Material Cultures of Psychiatry. transcript Verlag.
Ankele, Monika & Majerus, Benoît (Eds.)
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Materielle Konfigurationen der Pflege und ihre ethischen Implikationen. Das Dauerbad in der Psychiatrie, in: European Journal for Nursing History 1/2020, S. 101-123, open access,
Ankele, Monika
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Sehen/Berühren. Das Krankenbett als Beziehungsraum. Unbehaust Wohnen, 325-343. transcript Verlag.
Ankele, Monika
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The Fabric of Seclusion: Textiles As Media of (Spatial) Interaction in Isolation Cells of Mental Hospitals. Histoire, 140-157. transcript Verlag.
Ankele, Monika
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Becoming a ‘good’ hospital? Spatial configurations in mental asylums in Germany around 1900, Konferenz „Space and the Hospitals,” International Network for the History of Hospitals, Lissabon, 26.05.2021, online
Monika Ankele
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Dauerbäder und Wasserbetten. Therapie in der Badewanne, in: Hamburger Ärzteblatt 2/2021, S. 34-35. ISSN: 0017-6915.
Monika Ankele
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Dinggeschichten in der Psychiatrie, Historische Sammlung der Medizin und Pharmazie der Universität Kiel, 08.06.2021, online
Monika Ankele
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Eine Geschichte der Psychiatrie aus der Perspektive des Bettes, 27. Symposium der Gesellschaft für Krankenhausgeschichte, Medizinische Universität Wien, 01.10.2021
Monika Ankele
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From a patient’s point of view: A sensual-perceptual approach to bed treatment. Feeling Dis-ease in Modern History. Bloomsbury Academic.
Ankele, Monika
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Psychiatrie und Raum in historischer Perspektive, in: Maierhofer, Magdalena/Temmel, Evelyn/Lehner, Judith M./Schelling, Kathrin/Benz, Lene (Hg.): Space Anatomy: Die räumliche Dimension österreichischer Gesundheitspraxis, Berlin: Jovis 2022, S. 14-20. ISBN 978-3-86859-770-7.
Monika Ankele
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‘Demands her clothes, wants to feel human again for once’: Dimensions of Clothing in Mental Institutions around 1900, in: Lamot, Yoon Hee / De Wyngaert, Elisa et al. (Hg.), Mirror Mirror. Fashion and the Psyche (Antwerpen: Hannibal 2022), S. 73-89. ISBN: 978 94 6436 629 7.
Monika Ankele
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„(...) dass die Schädigung der ruhigen Kranken durch die Unruhigen eine Grenze bildet, welche nicht überschritten werden darf.“ Raum, Körper und Sinne in der Psychiatrie um 1900, in: Revisit. Humanities & Medicine in Dialogue 1/2022, S. 193-217
Ankele, Monika
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„Lying In: Bed”, im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Confabulations. art practice | art history | critical medical humanities (University of Durham; Queens University Canada; University of Lincoln), gem. mit Céline Kaiser und Angela Alves, 29.03.2023, online
Monika Ankele
