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Wie kann die Inanspruchnahme von Hilfe bei psychischen Störungen verbessert werden? Eine quasi-experimentelle Online-Studie zur Veränderbarkeit stigmatisierender Einstellungen und intermediärer Variablen im Prozess der Inanspruchnahme

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Förderung Förderung von 2015 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 269563855
 
Erstellungsjahr 2023

Zusammenfassung der Projektergebnisse

In diesem abgeschlossenen Forschungsprojekt wurden Einflussvariablen der Inanspruchnahme von professioneller Hilfe bei Menschen mit depressiven Symptomen untersucht. Der Schwerpunkt lag auf vermittelnden psychologischen Prozessen und deren unterschiedliche Wirkungen als Interventionsinhalte. Ziel war es, professionelle Hilfesuche zu unterstützen bzw. stigmatisierende Einstellungen zu reduzieren, die „Barrieren“ bei der Hilfesuche darstellen können. Die wichtigsten Ergebnisse des Projektes einschließlich der zusammenfassenden Darstellung und Prüfung des Seeking Mental Health Care Model wurden in Fachzeitschriften veröffentlicht. Dabei ergaben sich folgende zentrale Befunde: Die Identifikation eigener Symptome als Teil einer psychischen Erkrankung stellte sich als erklärende und veränderbare Variable heraus. Diese konnte durch vermittelnde Variablen beeinflusst werden. Dazu gehört die Kontinuumsvorstellungen von Krankheit und Gesundheit sowie breiter gefasste Überzeugungen möglicher Ursachen für eigene psychische Probleme und Gesundheitskompetenz (Wissen zu Symptomen/Hilfesuche). Um die Ursachenvorstellungen als biopsychosoziales Modell zu erfassen, wurde eine Operationalisierung entwickelt, die die Breite des Ursachenkonzepts berücksichtigt. Eine Neuerung war außerdem die Konzeptualisierung von Selbstwirksamkeit, bezogen auf Hilfesuche und Selbsthilfe. Gemäß bisheriger Konzeption wurden Einflüsse nur auf Hilfesuche-Intention, nicht auf Verhalten gefunden. Weitere Erkenntnisse wurden im Rahmen von zwei systematischen Literaturübersichten zu Kontinuumsvorstellungen gewonnen, und zur Entwicklung und Untersuchung einer neuen Skala angewendet. Aspekte der partizipationsorientierten Interventionsentwicklung wurden bereits in die Interventionsgestaltung aufgenommen, sollten aber in standardisierten Untersuchungen weiterverfolgt werden. Stigmareduktionen durch Interventionen der intrapsychischen Variablen ergaben sich eher unspezifisch über die Untersuchungszeitpunkte. Kombinierte Interventionsinhalte könnten die ähnlichen Ergebnisse in Kontroll- und Experimentalgruppen begründen. Interventionseffekte ergaben sich für die Interventionen zu Gesundheitskompetenz (text-basiert) und Kontinuumsvorstellungen (video-basiert). Entgegen der Hypothese schien die Intervention über Ursachenvorstellungen Stigmareduktion abzuschwächen anstatt zu verstärken. In Bezug auf das Hilfesuche-Verhalten zeigten sich keine signifikanten Effekte. Hierbei bleibt zu untersuchen, inwiefern andere Arten der Hilfesuche, z.B. bei Freund*innen oder Familie, von Interventionen profitieren, oder mit professioneller Hilfesuche interagieren. Einflüsse von Behandlungserfahrungen und Depressionsschwere wurden explorativ untersucht und bieten Ansatzpunkte für spezifischere Interventionsinhalte. Die Ergebnisse legen eine Kombination ausgewogener Inhalte mit individueller Anpassung nahe. Weiterführende Studien sollten wirkungsvolle Inhaltskombinationen und Präsentationsformate untersuchen. Ausgehend von der Ergebnislage wäre eine Kombination von Kontinuumsvorstellungen und Gesundheitskompetenz denkbar, ein biopsychosoziales Ursachenkonzept sollte eher sparsam und mit Bedacht eingebunden werden. Videos sowie die Integration sozialer Komponenten und Gamification-Elemente sind vielversprechende Ansätze, die im Projekt nur rudimentär untersucht werden konnten. Der Einbezug von externen Einflussfaktoren könnte dazu beitragen, die praktische Effektivität von Inhalten zielgruppenspezifisch zu untersuchen. Beispielsweise könnten multimediale Botschaften über öffentliche Gesundheitskampagnen dazu beitragen, Stigmatisierung zu verringern und Menschen mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen Unterstützung zu bieten.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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