Detailseite
Medienhorror. Mediale Angst im Film
Antragsteller
Florian Leitner
Fachliche Zuordnung
Theater- und Medienwissenschaften
Förderung
Förderung von 2015 bis 2017
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 280245031
Die Arbeit leistet einen Beitrag zum Verständnis der veränderten gesellschaftlichen Rolle, die visuelle Medien in der elektronischen Kultur spielen. Sie geht von der Beobachtung aus, dass diese Rolle entscheidend durch die Angst bestimmt wird, die Medien hervorrufen können. Mithilfe kulturphilosophischer und psychoanalytischer Theorien wird diese "mediale Angst" analysiert: Sie beruht auf der 'unbewussten und kollektiven' Phantasie, in bzw. hinter den Medien verberge sich eine nicht fassbare, übermächtige Bedrohung, ein "mediales Anderes". Um diese Phantasie untersuchen zu können, greift die Arbeit auf Erkenntnisse der philosophischen Anthropologie über die kulturelle Verarbeitung von Angsterfahrungen in mythologischer Form zurück. Als eine zeitgenössische Ausprägung des Mythos zieht sie "Medienhorror-Filme" heran. Diese reagieren auf die von modernen Medien ausgelöste Angst mit phantastischen Bedrohungsszenarien über Gefahren, die vermeintlich von diesen ausgehen.Die Arbeit legt eine Typologie von Medienhorror-Filmen vor, anhand derer sie deren Geschichte untersucht. Als entscheidend erweist sich in diesem Zusammenhang der allmähliche Übergang von einer kinematografischen zu einer postkinematografischen Medienkultur, d.h. die Ablösung fotochemischer Verfahren zur Speicherung bewegter Bilder durch elektromagnetische und elektronische Methoden. Denn im Zuge dieser Entwicklung verändern sich die Themen und Darstellungsweisen in Medienhorror-Filmen grundlegend. Anhand exemplarischer Filmanalysen können daher Rückschlüsse darüber gezogen werden, wie sich die Struktur der medialen Angst im Zusammenhang mit der Durchsetzung der elektronischen und schließlich der digitalen Kultur verändert: Während zunächst die Angst vor einem omnipräsenten Überwachungsblick dominiert, der sich vermeintlich in den Medien verbirgt, tritt in der postkinematografischen Ära die Angst in den Vordergrund, der Umgang mit Medien wirke sich unmittelbar schädigend auf die Körper der Mediennutzer aus. Kurz gesagt: "Erblickt-Werden" als Paradigma medialer Angst wird abgelöst durch "Ergriffen-Werden".In einem abschließenden Schritt setzt die Arbeit die so identifizierten psychologischen Paradigmen in Bezug zu den medien- und gesellschaftstheoretischen Konzepten der Interpellation und der Immersion. Auf diese Weise wird deutlich, dass sich mit der Ablösung der kinematografischen durch die postkinematografische Kultur nicht nur die Struktur der medialen Angst und der gesellschaftliche Umgang mit Medien verändern, sondern auch die Wahrnehmung von Macht.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
