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Narrativer, ästhetischer und kartographischer Raum um 1850: Die drei Palästina des Charles William Meredith van de Velde.

Antragstellerin Dr. Jutta Faehndrich
Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Wissenschaftsgeschichte
Förderung Förderung von 2015 bis 2020
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 281029285
 
Mit der explorativen Entschleierung der Erde ging notwendig die Übersetzung der fremden Welten in für das westliche Publikum rezeptionsfähige Formen einher. Das Forschungsvorhaben fragt danach, wie im Zuge dieses frühen Globalisierungsprozesses Bilder von Räumen erzeugt und kommuniziert wurden. Mit Bildern im weiteren Sinne ist hier zunächst jegliche Darstellung von etwas gemeint, wobei das Augenmerk auf der FORM der Darstellung liegt. Denn wie sich herausstellt, war der Bedeu­tungs­ge­halt der europäischen Darstellungen der Ferne offenbar nicht nur vom reisenden Subjekt, dessen Her­kunfts­kultur sowie der beforschten Region abhängig, sondern in erheblichem Maße auch von der gewählten Repräsentationsform. Das zeigt sich paradigmatisch am Fall des niederländischen Forschungsreisenden C. W. M. van de Velde, der seine Palästina­reise Mitte des 19. Jahrhunderts gleichermaßen in Reisebericht, Bilderalbum und Karte publi­zierte, darin jedoch ganz divergente Entwürfe von Palästina vorlegte. Dieses seltene Beispiel, bei dem außer der Darstellungsform alle anderen Faktoren identisch sind, bietet die ein­malige Chance, medien- und diszi­pli­nen­über­greifende Verbindungen und Zusam­men­hänge der Reprä­sen­tations­formen Bild (hier bild­liche Darstellung im engeren Sinne), Text und Karte zu identifizieren und exemplarisch deren Eigen­logiken zu rekon­struieren. Was zeigt allein das Bild, was nur die Karte, wovon schweigt der Bericht? Welche Ver­wei­sungs­strukturen lassen sich fest­stellen? Und was sagt dies über die Art und Weise aus, wie im 19. Jahrhundert westliche Darstellungen ferner Länder, in diesem Fall des bedeutungsgeladenen Heiligen Landes, kon­struiert wurden? Bis weit ins 20. Jahrhundert war die zeichnerische, später auch fotografische, Aneignung fremder Welten neben der geometrisch-vermessenden und sprachlich-beschreibenden selbst­verständ­licher Teil des Erkenntnisprozesses westlicher Forschungsreisender. Ein disziplinen­übergreifender Ansatz, der bildliche, narrative und kartographische Darstellung gleichberechtigt zum Gegenstand machte, ist dennoch ein Desideratum geblieben. Vielleicht auch, weil die Produktion aller drei Formen aus der Hand einer Person eine relative Seltenheit darstellt. Dieses einzigartige Quellenkorpus ist somit wie kaum ein anderes für eine grundlegende Studie zum Verständnis der Rolle von Repräsen­tations­formen bei der Entschleie­rung der Erde geeignet. So soll ein Modell der Repräsentation von Räumen ent­wickelt werden, das unser Verständnis der westlichen Aneignung der Welt wesentlich erweitert und auch auf andere, ähnlich bedeutsame Regionen anwend­bar ist..
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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