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Evidentialität, epistemische Modalität und Sprecherhaltung im Ladakischen - Modalität und die Semantik-Pragmatik-Grammatik-Schnittstelle

Antragstellerin Dr. Bettina Zeisler
Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Asienbezogene Wissenschaften
Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung Förderung von 2015 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 282920869
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Ladakische ist eine tibetische Sprache, die in Nordindien (Union Territory of Ladakh, ehemals Teil von Jammu & Kashmir) gesprochen wird. Die tibetischen Sprachen und einige weitere tibeto-burmanische Sprachen haben ein besonderes System evidentieller-epistemischer Markierung, das in der Sprachtypologie bislang nicht vollständig berücksichtigt wird. Im Allgemeinen wird im Rahmen von Evidenzialität zwischen direkten und indirekten Wissensquellen unterschieden. ‚Direkt’ wird mit Erkenntnis durch Sinneswahrnehmung gleichgesetzt. Aussagen aus diesem Bereich kommt automatisch ein hoher Wahrheitsgehalt zu. Zu den indirekten Wissensquellen zählen Hörensagen und Schlußfolgerung, die häufig, jedoch nicht zwingend, eine schwächere Aussagekraft haben. In den tibetischen Sprachen liegt der Hauptunterschied jedoch zwischen autoritativ bekräftigbaren Aussagen, speziell bezüglich eigener Handlungen, und bloß beobachteten oder anderweitig erschlossenen Situationen, für die sich ein Sprecher keine Autorität anmaßen will, kann oder darf. Für erstere werden die ‚egophorischen’ Hilfsverben yin und yod verwendet, für letzteres diverse andere Hilfsverben und Konstrultionen. Das System ist extrem flexibel und die Auswahl der Hilfsverben ist stark pragmatisch kondizioniert. Ziel des Projektes ist daher die adäquate Beschreibung des komplexen grammatischen Systems evidentieller und im weitesten Sinne epistemischer Markierungen in den ladakischen Dialekten. Das Projekt trägt zur Erforschung der Semantik-Pragmatik-Grammatik-Schnittstelle im Bereich Modalität bei. Es dient der genaueren Unterscheidung von Evidentialität und epistemischer Modalität sowie der Abgrenzung von Sprecherhaltung (speaker attitude, stance) als eigenständiger Perspektivierung oder Profilierung von Aussagen und fördert das Verständnis von Evidentialität und Sprecherhaltung als grammatische Kategorien. Gleichzeitig dient das Projekt der Dokumentation einer langfristig gefährdeten und bisher noch wenig erforschten Sprache.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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