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Der Einfluss stressreicher Lebensereignisse auf Verläufe der Hirnentwicklung und psychopathologischer Symptome im Jugendalter

Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Förderung Förderung von 2016 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 290210763
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das übergeordnete Ziel des Projekts war die längsschnittliche Untersuchung des Einflusses von belastenden Lebensereignissen auf die Entwicklung des Gehirns über das gesamte Jugend- bis zum jungen Erwachsenenalter. Gleichzeitig sollte untersucht werden, ob potenziell veränderte Entwicklungsverläufe des Gehirns mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für psychopathologische Symptome verbunden sein könnten. Zu diesem Zweck wurden strukturelle und funktionelle Magnetresonanztomographie-Scans im Alter von 14, 16, 18 und 21 Jahren an den beiden Standorten Dresden und Paris erhoben. Die Ergebnisse des Projekts lassen sich dreigliedrig zusammenfassen: Erstens könnte das Feld der klinischen kognitiven Entwicklungsneurowissenschaften von unserer fundierten methodischen Basisarbeit profitieren, die Strategien zur Qualitätskontrolle struktureller MRT-Bilder, zum Studiendesign, zu den Besonderheiten der Entwicklung verschiedener struktureller Hirnmaße und zur Konzeptionalisierung von Reliabilität umfasst. Wir untersuchten ebenfalls die funktionelle Entwicklung subkortikaler Regionen (Amygdala) in einem matching task und deren Reliabilität. Zweitens liefern wir Ergebnisse zu longitudinalen Trajektorien der subkortikalen und kortikalen Hirnentwicklung in unserer großen Stichprobe von über 500 Jugendlichen der beiden Standorte Dresden und Paris. Drittens erreichten wir die Integration der Projektziele für die Fragestellung bezüglich der strukturellen Hirnentwicklung des orbitofrontalen Kortex und deren Zusammenhängen mit der Auswirkung von belastenden Lebensereignissen in der Kindheit auf Depressionen im jungen Erwachsenenalter. Darüber hinaus konzentrierten sich die abschließenden Analysen auf die intra- und interindividuelle Variabilität in der Hirnentwicklung und auf die Zusammenhänge zwischen allgemeiner Psychopathologie und Hirnentwicklung. In unserer integrativen Analyse untersuchten wir die Auswirkungen häufiger belastender Lebensereignisse in der Kindheit und frühen Jugend, die von Krankheit/Tod in der Familie bis hin zu sozialen/schulischen Problemen reichen, auf depressive Symptome im jungen Erwachsenenalter im Alter von 21 Jahren. Wir konnten zeigen, dass sich belastende Lebensereignisse vor dem Alter von 14 Jahren kumulativ auf depressive Symptome im jungen Erwachsenenalter auswirken und dies interessanterweise bis zu 8 Jahre später. Depressive Symptome im jungen Erwachsenenalter wurden auch durch eine stärkere kortikale Dicke im orbitofrontalen Kortex im Alter von 14 Jahren und ein beschleunigte Reifung des orbitofrontalen Kortex während der Adoleszenz vorhergesagt (beschleunigtes thinning). Die Entwicklung des orbitofrontalen Kortex während der Adoleszenz mediierte jedoch nicht die Auswirkungen negativer Lebensereignisse auf depressive Symptome. Dies unterstreicht die Komplexität der neurobiologischen Mechanismen, die den langanhaltenden Auswirkungen von Kindheitserfahrungen auf die psychische Gesundheit zugrunde liegen. Die Erhebung relativ früher, recht häufiger stressreicher Lebensereignisse zusätzlich zu akuten negativen Lebensereignissen könnte klinisch dazu beitragen, Personen mit erhöhtem Depressionsrisiko zu identifizieren.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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