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Effektbasierte Handlungskontrolle im sozialen Kontext

Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung Förderung von 2016 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 313711646
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Aktuelle Theorien menschlicher Handlungskontrolle sind meistens für einen individuell agierenden Agenten und seine Interaktion mit der physikalischen Umwelt formuliert. Die im Alltag hochrelevante soziale Dimension menschlichen Handelns ist hingegen nur unzureichend durch theoretische und empirische Arbeiten durchdrungen. Hier setzte das Projekt Sociomotor action control an, in dessen Zuge wir ein theoretisches Rahmenmodell zur Betrachtung sozialer Handlungen entwickelt und überprüft haben. Kernstück dieses Rahmenmodells sind Handlungen, die darauf abzielen, das Verhalten eines Gegenübers zu beeinflussen, sodass das Verhalten des Interaktionspartners als Effekt einer eigenen Handlung aufgefasst werden kann. Das Rahmenmodell stützt sich dabei auf ideomotorische Ansätze und postuliert, dass derartige Handlungen in Form ihrer Effekte in der sozialen Umwelt repräsentiert und kontrolliert werden. Das Framework der sociomotor action control hebt dabei drei Variablen hervor, die spezifisch für den sozialen Kontext sind und dort zum Tragen kommen: (1) eine bemerkenswerte Variabilität von Handlungs-Effekt-Kontingenzen im Vergleich zu nicht-sozialen Effekten, (2) das Vorhandensein spezifischer Input-Output-Modalitäten, insbesondere mimischer Ausdrücke, sowie (3) ein einzigartiger Einfluss von soziomotorischer und imitativer Kompatibilität zwischen eigenen Handlungen und ihren sozialen Effekten. Im Laufe der beiden Förderperioden konnten wir substantielle Evidenz für diese theoretische Annahme erarbeiten. Hierbei zeigte sich eindrucksvoll, dass vorhersagbares Verhalten anderer Personen in handlungsleitenden Handlungs-Effekt-Verbindungen repräsentiert wird, innerhalb dieser Repräsentationen jedoch vor allem auf seine nicht-sozialen Komponenten zurückgegriffen wird, etwa zu erwartende raumzeitliche Merkmale einer antizipierten Bewegung. Soziale Moderatoren wie etwa die Gruppenzugehörigkeit mehrerer Agenten wirkten sich nicht aus soziomotorische Prozesse aus. Wo sich hingegen spezifische Merkmale sozialer Interaktionen bemerkbar machten sind Überwachungsprozesse, die nach der Durchführung einer Handlung auftreten. Hier beobachteten wir sowohl in Bezug auf Verhaltensmaße als auch in Bezug auf elektrophysiologische Korrelate deutliche Unterschiede zwischen sozialen und nicht-sozialen Handlungseffekten. Zusammengenommen unterstreichen die Befunde die bemerkenswerte Anpassung kognitiver Handlungsrepräsentationen an die soziale Natur menschlichen Verhaltens.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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