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Effekt eines Schulungsprogramms für ehrenamtliche und Berufsbetreuer/innen zu Entscheidungen in der Gesundheitssorge (Proxy-decision-making): Randomisiert-kontrollierte Studie (PRODECIDE-RCT)

Antragstellerin Dr. Tanja Richter
Fachliche Zuordnung Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Förderung Förderung von 2016 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 318728034
 
Hintergrund: In Deutschland werden ca. 1,3 Millionen Menschen rechtlich betreut, 60% durch ehrenamtliche Betreuer/innen, meist durch Angehörige, 40% durch Berufsbetreuer/innen. Grund für die Bestellung einer Berufsbetreuung war im Jahr 2005 in 20% eine Demenz. Aufgabe von rechtlichen Betreuern/innen ist es, Menschen in Entscheidungsprozessen in der Gesundheitssorge zu vertreten, wenn diese ihren Anspruch auf informierte Entscheidungen nicht mehr oder nur eingeschränkt wahrnehmen können. Vermutet wird, dass der weit überwiegende Teil der Betreuer/innen über keinerlei Ausbildung im Gesundheitsbereich verfügt. Prozesse der gemeinsamen und informierten Entscheidungsfindung sind komplex. Weder für ehrenamtliche, noch für Berufsbetreuer/innen gibt es allgemeingültige Ausbildungsvoraussetzungen oder Eignungskriterien; entsprechende Kompetenzen können nicht vorausgesetzt werden. Auch international werden keine spezifischen Fachkenntnisse verlangt. Es wird angenommen, dass die Optimierung von Entscheidungsprozessen zu einer verbesserten Versorgung von Menschen mit Demenz führt. Es wurde daher ein Schulungsprogramm für rechtliche Betreuer/innen entwickelt und pilotiert, in dem Kompetenzen vermittelt werden, die für einen informierten Entscheidungsprozess notwendig sind.Ziel dieses Projektes ist die Überprüfung der Wirksamkeit des Schulungsprogramms sowie die Entwicklung und Pilotierung einer Implementierungsstrategie. Methode: Gemäß den Evaluationsempfehlungen des Medical Research Councils für komplexe Interventionen wird eine randomisiert-kontrollierte Studie im Wartegruppendesign mit begleitender Prozessevaluation durchgeführt (Follow-up 6 Monate). Teilnehmer/innen sind ehrenamtliche und Berufsbetreuer/innen. Die Intervention ist eine zweitägige Schulung, bestehend aus 4 Modulen: A Entscheidungsprozesse und Methodenwissen, B Perkutane Ernährungssonde (PEG), C Freiheits-einschränkende Maßnahmen (FEM), D Antipsychotika, jeweils für Menschen mit Demenz. Primärer Endpunkt ist Verständnis sowie daraus resultierende realistische Erwartungen bezüglich PEG, FEM und Antipsychotika direkt nach der Schulung. Sekundäre Endpunkte sind Nachhaltigkeit von Verständnis sowie Anzahl von PEG, FEM und Antipsychotika bei den durch Schulungsteilnehmer/innen betreuten Menschen mit Demenz. Erwartet wird, dass die Schulung zu einem besseren Verständnis und realistischeren Erwartungen führt und dass unter diesen Voraussetzungen die Maßnahmen seltener angewendet werden. Für die zukünftige Implementierung werden E-Learning-Module entwickelt. Bestehende Schulungsinhalte werden in ein Learning Management System integriert. Zur Pilotierung wird ein Usability-test zur Überprüfung der Nutzbarkeit durchgeführt. Diskussion: Eine standardisierte Ausbildung als Qualitätsmerkmal für einen Beruf, in dem es regelmäßig um Entscheidungen mit und für eine höchst vulnerable Personengruppe geht, ist obligat. Das Schulungsprogramm soll in das reguläre Weiterbildungsangebot implementiert werden.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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