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Leibniz und China. Das Gespräch mit Barthélemy Des Bosses S.J. und anderen Mitgliedern des Ordens
Antragstellerin
Dr. Rita Widmaier
Fachliche Zuordnung
Geschichte der Philosophie
Förderung
Förderung von 2016 bis 2017
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 325285841
Leibniz war, wie die Quellen zeigen, lebenslang an allem, was China betrifft - dessen früher Geschichte und praktischer Ethik, dessen Wissen auf allen Gebieten handwerklicher Technik und angewandter Wissenschaft - außerordentlich interessiert. Der Briefwechsel mit den Jesuitenmissionaren am Hof zu Peking stellte in dieser Hinsicht für sein Informationsbedürfnis einen absoluten Höhepunkt dar. Unter dem Titel Leibniz korrespondiert mit China wurde 1990 dieser Briefwechsel erstmals von mir ediert und als Veröffentlichung des Leibniz-Archivs herausgegeben. Eine zweite, erweiterte und von Malte-Ludolf Babin mit einer deutschen Übersetzung versehene Auflage erschien 2006 in der Philosophischen Bibliothek, Band 548, bei Felix Meiner.Leibniz´ direkter Briefaustausch mit den Chinamissionaren bestand allerdings nur wenige Jahre. Denn im Zuge des sogenannten Ritenstreits wurde die viel diskutierte Frage, ob die chinesischen Riten mit dem Christentum vereinbar wären, in Rom im Jahre 1704 negativ entschieden und im Jahre 1710 zu diesem Thema sogar ein Publikationsverbot erlassen. DassLeibniz dennoch über alle Vorgänge in China und in Rom bestens informiert wurde, verdankte er dem Vertrauen der Jesuitenpatres, nachdem er in seinem Vorwort zu den Novissima Sinica bereits im Jahre 1697 öffentlich für die akkommodierende Chinamission der Gesellschaft Jesu Partei ergriffen hatte.Nicht zufällig erweist sich daher auch für Leibniz´ metaphysisch begründeten Standpunkt die - als eine der wichtigsten zu Leibniz´ Metaphysik bekannte - Korrespondenz mit dem Jesuitenpater Des Bosses als eine der bedeutsamsten in der chinesischen Frage, und zwar in Leibniz´ letzten Lebensjahren nach dem Ende des direkten Briefwechsels mit den Missionaren in China. Tatsächlich ist dieser Briefwechsel über China als Fortsetzung von Leibniz´ korrespondiert mit China in Europa zu betrachten, denn Des Bosses ist es, der im Korrespondenten-Netzwerk seines Ordens alle Briefe von und an Leibniz europaweit vermittelt: an Daniel Papebroch in Antwerpen, Giovanni Battista Tolomei in Rom, Joseph René Tournemine in Paris und Ferdinand Orban in Düsseldorf. Was aber diesen Informationsaustausch über China so überaus relevant macht, sind die direkten Nachrichten aus Rom und China, die im Orden kursierten und als Briefe aus dritter Hand nun auch Leibniz zur Verfügung gestellt wurden. Dass Leibniz über alle Vorgänge in Rom und in China Bescheid wusste, beruht insbesondere auf diesen Nachrichten, die ihn als Beilagen zu den Briefen von Des Bosses und Orban erreichten; wie er über die -chinesische Frage- dachte, welche Auswege er suchte und welche Hoffnungen er hegte, geht aus seinen eigenen Briefen hervor.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
