Die Rolle der Ko-Regulation für die Entwicklung der reflexiven Emotionsregulation - eine Interventionsstudie im Kindergarten
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das zentrale Ziel dieses Projektes war es, die Rolle der pädagogischen Fachkräfte für die Entwicklung der Emotionsregulation bei Kindern im Vorschulalter zu untersuchen. Ausgangspunkt war die Annahme, dass das Verhalten der Fachkräfte, insbesondere ihr Emotion Coaching – das Spiegeln, Benennen und Validieren von kindlichen Emotionen – und ihre passende Ko-Regulation – im Sinne einer entwicklungsangemessenen Unterstützung der Selbstregulation der Kinder – eine entwicklungsförderliche Funktion haben sollte. Denn diese Verhaltensweisen fördern die emotionale Bewusstheit und die Emotionsregulation in der konkreten Situation, womit sie auf lange Sicht zum Erwerb emotionaler Bewusstheit und eines Repertoires an funktionalen Emotionsregulationsstrategien beitragen sollten. Zur Beantwortung dieser Fragen wurden sowohl extensive Alltagsbeobachtungen in den Kindertageseinrichtungen durchgeführt, als auch die sozialemotionalen Kompetenzen der Kinder in Form von Emotionsregulation, Wissen über Emotionsregulation und prosoziales Verhalten in standardisierter Form erfasst. Der Studie liegt eine Interventions-studienlogik mit einem pre-post-follow up-Design mit 4 Messzeitpunkten zugrunde, in dem ein Teil der Fachkräfte (35 von 63) ein Training durchlief, das sowohl eine Verbesserung des Emotion Coachings als auch der entwicklungsangemessenen Ko-Regulation zum Ziel hatte. Aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse (insbesondere die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie) konzentrierten sich die Auswertungen im Projektzeitraum bisher (i) auf die querschnittlichen Analysen der alltagsnahen Beobachtungen von 4- bis 6-Jährigen zum ersten Erhebungszeitpunkt (N = 73) und (ii) auf die standardisierten Verhaltensbeobachtungen zum ersten Erhebungszeitpunkt (t1) und ca. 7 Monate später (t3; erster Follow-up). Die korrelativen Analysen der alltagsnahen Beobachtungen zeigen – ganz im Sinne transaktionaler Entwicklungsmodelle – zum einen, dass die Fachkräfte ihr Verhalten an den Entwicklungsstand und die jeweilige Situation anpassten und zum anderen, dass bestimmte Aspekte des gezeigten Verhaltens, insbesondere das Emotion Coaching und anspruchsvollere Formen der Ko-Regulation (i.S. meta-kognitiver Prompts), die Selbstregulation der Kinder in der jeweiligen Situation stärken. Die längsschnittlichen Analysen der standardisierten Erfassung der sozial-emotionalen Kompetenzfacetten zeigten zum einen, dass diese zu t1 konsistent mit dem Alter korreliert waren und zum anderen, dass von den emotionsregulatorischen Kompetenzen am ehesten das Emotionsregulationswissen und der Belohnungsaufschub die weitere Entwicklung beim Teilen erklären konnte. Auf Grundlage der zurzeit noch laufenden Kodierungen können demnächst die noch ausstehenden Fragen nach der Wirksamkeit des Trainings adressiert werden.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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The role of co-regulation for the development of social-emotional competence. Journal of Self-Regulation and Regulation, 17-32.
Silkenbeumer, J., Schiller, E.-M., Holodynski, M. & Kärtner, J.
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Co- and self-regulation of emotions in the preschool setting. Early Childhood Research Quarterly, 44, 72-81.
Silkenbeumer, Judith Rebecca; Schiller, Eva-Maria & Kärtner, Joscha
