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Verhaltensaktivierung im Einzelsetting als Ergänzung zu einem Meditationsprogramm in Gruppen bei Patienten mit Chronischer Depression

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2017 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 346384694
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Anhaltende depressive Störungen sind weitverbreitet und trotz enormer Beeinträchtigung der Betroffenen unterversorgt. Die pharmakologische Behandlung ist nur begrenzt effektiv und häufig nicht akzeptiert, daher besteht ein großer Bedarf an psychologischen Behandlungsansätzen als Alternative. Neben positiven Ergebnissen für interpersonelle Ansätze gibt es auch erste, wenn auch inkonsistente Hinweise für den Nutzen von achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie. Darauf aufbauend, haben wir ein Gruppenmeditationsprogramm entwickelt, das Achtsamkeit mit Metta-Meditation verbindet. Explizites Ziel ist die Förderung von positiven Einstellungen sich selbst und anderen gegenüber. In zwei Pilotstudien mit chronisch depressiven Patienten fanden wir erste, vielversprechende Effekte auf die Symptomatik. Die Umsetzung der Interventionen in den Alltag ist jedoch durch das starke Rückzugs- und Vermeidungsverhalten der Patienten eingeschränkt. Die guten Resultate einer früheren randomisiertkontrollierten Therapiestudie mit Patienten mit rezidivierender Depression legen es nahe, dass eine Ergänzung des Gruppenmeditationsprogramms durch Verhaltensaktivierung im Einzelsetting dieses Defizit ausgleichen könnte. In der vorliegenden, randomisierten kontrollierten Studie wurde die Wirksamkeit dieser Kombination systematischer erprobt. Es wurden 48 Patienten mit anhaltender Depressiver Störung randomisiert entweder a) einer Kombination von 8 Sitzungen Gruppenmeditationsprogramm und 8 Sitzungen Einzelbehandlung mit Schwerpunkt Verhaltensaktivierung oder b) einer Warte-Kontrollgruppe zugewiesen. Die Therapieeffekte wurden in einem Zwischentest nach Gruppenbehandlung, nach Behandlung und zum 6-Monats-Follow-up erfasst. Haupt-Outcome-Maß war die unabhängige, verblindete Erfassung der Depressivität. Mit Hilfe von Fragebögen wurden behaviorale/kognitive Vermeidung, Strategien der Emotionsregulation, Rumination und soziale Anpassung sowie in einem standardisierten Interview Emotionsregulationsstrategien erfasst. Es zeigten sich nach Behandlung signifikante Veränderungen im primären und fast aller sekundären Outcome-massen, die auch bis zum Follow-up aufrechterhalten wurden. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass metta-basierte Therapie zu einer starken Verringerung depressiver Symptome, des Grübelns, der kognitiven und verhaltensbezogenen Vermeidung, der Verbesserung der sozialen Anpassung, der Emotionsregulation und der Achtsamkeit beiträgt. Interessanterweise zeigten Patient*innen, die gleichzeitig zur psychologischen Behandlung Medikamente einnahmen, signifikant schlechtere Ergebnisse als Patient*innen, die keine Medikamente einnahmen. Die Ergebnisse bestätigen die Resultate aus einer Serie unkontrollierter Pilotstudien. Insgesamt stellt sich metta-basierte Therapie als ein für die Versorgung dieser Patientengruppe vielversprechender Ansatz dar.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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