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Die spanische Black Diaspora: Afro-spanische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts

Antragstellerin Dr. Julia Borst
Fachliche Zuordnung Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung Förderung von 2017 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 353492083
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Mit der Literaturproduktion der afrikanischen Diaspora in Spanien widmete sich das Projekt einem neuen Forschungsfeld in der Romanistik, dem erst in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit zuteil wurde. Vor dem Hintergrund der Diskussion um Migration aus Afrika und der Debatte um neue Blicke auf Europa aus postkolonialer Perspektive beschäftigte es sich mit spanischsprachigen Literaturen afrikanischer und afrodeszendenter Autor*innen, die in ihren Texten afrodiasporische Lebenswelten, Gemeinschaftsentwürfe und Identitätskonstruktionen im Spannungsfeld von homeland und hostland verhandeln. Diese Lebenswelten sind zum einen durch weitreichende Ausgrenzungs- und Rassismuserfahrungen des afrodiasporischen Subjekts in den europäischen Gesellschaften geprägt. Zum anderen beschreiben die Autor*innen multiple Zugehörigkeiten und alternative Gemeinschaftsentwürfe, die das Überlebenswissen dieser Menschen bilden und sie im Hinblick auf eine transnationale afrikanische Diaspora situieren. Ergänzend zum literarischen Korpus wurden auch andere mediale Ausdrucksformen wie Filme, digitale Plattformen, Fotobücher und andere kulturelle Artefakte einbezogen, um (Selbst- )Positionierungen jenseits der Literatur mitzudenken. Das sehr heterogene Feld spanischsprachiger afrodiasporischer Literatur umfasst neben Autor*innen aus der ehemaligen spanischen Kolonie Äquatorialguinea auch solche aus nicht-spanischsprachigen Ländern wie Benin, Senegal und Kamerun, die - meist im Zuge der eigenen Migrationserfahrung - Spanisch als Literatursprache übernommen haben. Darüber hinaus zählen zu diesem Korpus Autor*innen afrikanischer Herkunft, die sich zwischen Europa und Afrika bewegen, sowie eine neue Generation afrodeszendenter Autor*innen, die in Spanien geboren oder aufgewachsen sind und insbesondere in den letzten Jahren vermehrt auf die literarische Bühne treten. Das Projekt knüpfte an neue Ansätze aus der Diasporaforschung an, die im Kontext der Postkolonialen Studien und der neueren Migrationsforschung diasporische Gemeinschaften als transnationale Formationen im Sinne vorgestellter Gemeinschaften betrachten, innerhalb derer sich die Menschen weniger auf ein gemeinsames geographisches Homeland als auf eine geteilte Geschichte der Ausgrenzung, der Allianzen und des Widerstands beziehen. Wie gezeigt wurde, erfolgen die Verortungen und Selbstpositionierungen der Subjekte in den Texten innerhalb eines symbolischen multipolaren Bezugsraums der Afrodeszendenz, der über geteilte Narrative, kulturelle Bezugssysteme, Symbole, Intertexte etc. aufgespannt wird und sich durch ein kontinuierliches (Neu-)Aushandeln pluraler Zugehörigkeiten auszeichnet, in die sowohl transnationale wie auch lokale Erfahrungsräume und Wissenssysteme einfließen. Gleichzeitig leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Verankerung Spaniens als Raum innerhalb der Afroeuropäischen Studien, die sich aus komparatistischer Perspektive mit afrodiasporischen Menschen und Gemeinschaften in Europa, ihren Kulturen, Literaturen, Theorien und ihrer Geschichte auseinandersetzen. Durch zahlreiche und vielfältige Aktivitäten im europäischen wie im nichteuropäischen Kontext (u. a. wissenschaftliche Vorträge, Sektionsleitung, Organisation von Tagungen, Kulturveranstaltungen) konnte die Sichtbarmachung der afrodiasporischen Gemeinschaft in Spanien und ihrer Literaturproduktion innerhalb der internationalen Forschungslandschaft erheblich gesteigert werden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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