When virtual contact is all you need: The influence of Facebook on responses to social exclusion
Final Report Abstract
Technologisch vermittelte Kommunikationsformen (Technology Mediated Communication, TMC) und vor allem soziale Online-Netzwerke (SON) haben sich rasant verbreitet. Neben ihrem breiten praktischen Nutzen können sie potenziell elementare psychologische Bedürfnisse erfüllen. Gerade während der COVID19-Pandemie wurde die Erwartung geäußert, dass TMC bzw. SON dabei helfen können, Gefühle von Isolation und Einsamkeit zu verringern. Frühe Studien haben in der Tat nahegelegt, dass erlebte Einsamkeit die Nutzung von SON motiviert und dass eine aktive SON-Nutzung insgesamt zum Wohlbefinden beitragen kann. Unsere eigenen Vorarbeiten lieferten zudem Hinweise darauf, dass die beiläufige Aktivierung von Gedanken an Facebook negative Effekte von sozialem Ausschluss auf das Gefühl von Verbundenheit mildern kann. In dem vorliegenden Projekt wurde zunächst der Nutzen von SON für den Umgang mit einer Bedrohung des Zugehörigkeits- und Affiliationsbedürfnisses durch experimentell manipulierten sozialen Ausschluss erforscht (Projektteil A). Neun Experimente wurden durchgeführt, um den Geltungsbereich und die zugrundeliegenden Prozesse von Effekten der beiläufigen Erinnerung an SON zu untersuchen. Im Hinblick auf eine Erweiterung des Ansatzes fanden wir zunächst keinen Effekt auf Gefühle von Traurigkeit: Die subtile Erinnerung an das Facebook-Icon (im Vergleich zu positiven Kontrollprimes) erhöhte nach einer Induktion trauriger Stimmung (vs. eine Kontrollbedingung) zwar das allgemeine Gefühl von Zugehörigkeit, reduzierte jedoch nicht die erlebte Traurigkeit. Außerdem wurde auf Anregung aus Gutachten zum Antrag untersucht, inwiefern auch durch die Nutzung von TMC / SON mit einem Smartphone ein Gefühl von sozialem Ausschluss erzeugt werden kann. Zwei Experimente zeigten gemäß unserer Hypothesen, dass Phubbing (Phone Snubbing, also Abwendung der Aufmerksamkeit von der Gesprächspartner:in durch Smartphonenutzung) negative Stimmung, Ausgrenzungsgefühle sowie eine ausgrenzungstypische Bedrohung grundlegender Bedürfnisse auslöst. Das zweite Experiment zeigte außerdem die Auswirkungen des Phubbing auf das Verhalten der Teilnehmer:innen: Das Vertrauen in einem Trust Game sank, wenn die Teilnehmer:innen dreimal (im Vergleich zu einmal) Phubbing erlebten. In weiteren 6 Studien (davon 5 experimentell) ergab sich mit verschiedenen Erweiterungen und Variationen der experimentellen Methodik keine konsistente Evidenz für spezielle Hypothesen zu Geltungsbereich und zugrunde liegenden Prozessen. Da trotz intensiver Bemühungen kein entscheidender Fortschritt mit laborexperimentellen Ansätzen (z.B. subtile Gedankenaktivierung durch verschiedene SON-Stimuli) erzielt wurde, entschlossen wir uns, den Effekten der Nutzung von TMC / SON auf erlebte Einsamkeit und Isolation im Alltagskontext nachzugehen (Projektteil B). Hierzu entwickelten wir ausgehend von Ansätzen zu Tagebuchstudien (Experience Sampling) ein neuartiges Untersuchungsparadigma, innerhalb dessen die Teilnehmer:innen nach einer ersten allgemeinen Baseline-Abfrage dreimal am Tag Abfragen zu relevanten Variablen erhielten. Projektteil B (Experience Sampling): In vier Studien, davon zwei während Kontaktbeschränkungen während der COVID19-Pandemie, erzielten wir eine bereinigte Gesamtstichprobe N = 1.198. Die zentralen Tagebucheinträge betrafen soziale Kontakte in den vorausgegangenen zwei Stunden, die Modalität (face-to-face, TMC) der Kontakte, das Medium der TMC sowie Zufriedenheit sowie erlebte Einsamkeit bzw. Isolation. Damit untersuchten wir Effekte der Nutzung von TMC in Lebenssituationen, in denen das Bedürfnis nach Kontakt und Verbundenheit mit anderen mehr oder weniger stark bedroht ist (durch Umzug an einen neuen Ort bzw. die sozialen Einschränkungen während der COVID19-Pandemie). Die Analysen zeigten im Wesentlichen, dass Face-to-face-Kontakt, aber nicht TMC, konsistent und deutlich positiv mit Zufriedenheit (Happiness) und negativ mit Einsamkeit bzw. Isolation assoziiert war. TMC hatte insgesamt signifikant geringere Effekte. Es fanden sich teilweise Effekte in positiver Richtung, wenn für den Abfragezeitraum kein Face-to-face-Kontakt stattgefunden hatte, jedoch zumeist in negativer Richtung, wenn Face-to-face-Kontakt berichtet wurde. Der positive Effekt von Face-toface-Kontakt blieb weitgehend bestehen, auch wenn TMC stattgefunden hatte. Diese Befunde erweitern die wachsende Befundlage, die auf die Grenzen von Online-Medien bei der Bewältigung von alltäglich erlebter Einsamkeit und sozialer Isolation aufmerksam machen.
Publications
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I belong but I’m still sad: Reminders of Facebook increase feelings of belonging but do not facilitate coping with sadness. PLOS ONE, 13(12), e0209889.
Knausenberger, Judith & Echterhoff, Gerald
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Feeling Ostracized by Others’ Smartphone Use: The Effect of Phubbing on Fundamental Needs, Mood, and Trust. Frontiers in Psychology, 13.
Knausenberger, Judith; Giesen-Leuchter, Anna & Echterhoff, Gerald
