Project Details
Projekt Print View

Open World Structures: Architecture, City- and Natural Landscape as well as Eco-Critical Implications in Computer Games

Applicant Dr. Marc Bonner
Subject Area Theatre and Media Studies
Term from 2017 to 2022
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 362767459
 
Final Report Year 2023

Final Report Abstract

Dank der Vertiefung bzw. Erweiterung durch das Fortsetzungsprojekt konnte die im Jahr 2017 durch das Erstprojekt begonnene Forschung zu Architektonik und ökologischen Implikationen der Computerspiele im Allgemeinem sowie der Open-World-Spiele im Speziellen erfolgreich abgeschlossen und die Ergebnisse in einer umfassenden Monografie zusammengetragen werden. Die Grundannahme, dass ein Oszillieren zwischen rezeptionsund produktionsästhetischer Herangehensweise für den Erfolg des Projekts unumgänglich würde, bewahrheitete sich. So wurden nicht nur Game Designer interviewt, sondern immer wieder auch Aspekte der Designforschung und Methoden der Production Studies miteingebunden. Dadurch werden auch technische und prozessuale Eigenschaften der Architektonik der Computerspiele ausführlich erörtert. Sie sind wesentlich für das Verständnis von Weltenbau und ökologischen Implikationen, da – so ein weiters Ergebnis – die Algorithmen als prozesshaft zu begreifende Infrastruktur oder, besser, Tragstruktur der Computerspiel- Architektonik zu verstehen sind. Ein Anspruch an das eigene Forschungsprojekt war es, das heuristische Modell und den zugehörigen Begriffskatalog über die wissenschaftliche Abhandlung hinaus auch als Leitfaden für Gestaltungspraktiken und Orientierungshilfe für Game Design aufzubereiten und so die Erkenntnisse gezielt für Entwickler- und Designer:innen zugänglich zu machen. Als Designpraktiken und Gestaltungprinzipien adaptiert und konzentriert, sind die wissenschaftlichen Herangehensweisen reziprok zu Game Design und Weltenbau. Für Entwickler:innen und Designer:innen kann dies neuartige Perspektiven ermöglichen. Die Analysen der Open-World-Spiele zeigen, dass die Übernahme bestimmter Weltbilder, Bildtraditionen und ideologischer Implikationen – etwa jener der US-amerikanischen Nationalparks – weit über die bisher im Fokus der Forschung stehenden Erzählkonventionen hinausgehen. Die Befunde führen dabei u.a. zum Appell an Designer- und Entwickler:innen, die Wahl der Adaption physisch-realer Ort über die ästhetische Ebene und künstlerische Interessen hinaus auch kritisch hinsichtlich kulturhistorischer und ideologischer Faktoren zu reflektieren. Auf Basis zahlreicher Erkenntnisse wurden die Open-World-Spiele als räumlich und strukturell spezifisch geprägter Modus zum Erleben bzw. Inszenieren von Welt definiert. Dabei erfolgte eine bewusste Distanzierung vom Begriff „Genre“. Mit Blick auf die gerade global stattfindende, neuerliche Verhandlung der Rolle des Menschen durch öko- und anthropozentrische Debatten im Zuge des Klimawandels erhalten die Erkenntnisse rund um kulturelle Konzepte wie etwa „Horizont“, „Weite“, „Ferne“, „Natur“ „Wildnis“, „Frontier“ und „Mensch-Tier-Beziehung“ eine erhöhte Relevanz. Dieser Umstand führte zu einer weitaus umfänglicheren Erörterung der Mensch-Natur-Dichotomie unter ökokritischen und geopolitischen Aspekten. Ein Argument des Antrags zum Folgeprojekt aus dem Jahr 2019 war es, zu analysieren, wie Entwicklerstudios mittels zukünftiger Open-World- Titel auf die während des UN-Gipfels vorgestellte Playing-for-the-Planet-Initiative reagieren. Aufgrund der langen Entwicklungsphase der AAA-Open-World-Spiele von zwei, drei oder mehr Jahren sind in der Projektlaufzeit von 18 Monaten nur wenige intendierte Bezugnahmen und Reaktionen erfolgt, die zudem kritisch reflektiert als Green Washing zu beschreiben sind. Über die Open-World-Spiele hinaus wurde der Low-Poly Brutalism als erster genuiner Architekturstil der Computerspiele herausgearbeitet und definiert. Durch Verschränken von Konzepten aus u.a. Medienwissenschaft, Game Studies, Philosophie, Architekturtheorie, Humangeografie, Landschaftstheorie und Kunstgeschichte wurde ein transdisziplinäres Theoriemodell erarbeitet, dass es anhand der daraus entwickelten analytischen Methoden erstmals ermöglicht, die komplexe Struktur heutiger Computerspiele – vom Indie Game bis zur AAA Open World – zu verstehen. Mit den Ergebnissen des Projekts werden die Architektonik digitaler Spielwelten und all die damit verbundenen Ideologien umfassend zugänglich.

Publications

 
 

Additional Information

Textvergrößerung und Kontrastanpassung