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Prospektive randomisierte Multicenter Phase III-Studie mit Decitabine und Venetoclax in Kombination with All-trans Retinsäure (ATRA) oder Placebo bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie, bei denen keine Induktions-Chemotherapie möglich ist
Antragsteller
Professor Dr. Michael Lübbert
Fachliche Zuordnung
Hämatologie, Onkologie
Förderung
Förderung seit 2020
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 367848349
Akute myeloische Leukämie (AML) ist eine Krebsart, die vorwiegend bei älteren Menschen auftritt. Das Diagnosealter liegt oft bei über 70 Jahren. Bis vor Kurzem waren die Therapiemöglichkeiten für diese Patienten sehr begrenzt, da die intensive Chemotherapie, die bei jüngeren AML-Patienten Standard ist, oft zu inakzeptablen Toxizitäten führte und häufig nicht so wirksam war wie bei jüngeren Patienten. Eine besser verträgliche und schonendere AML-Therapie bieten die epigenetisch aktiven Medikamente Decitabin und Azacitidin. Diese eng miteinander verwandten Medikamente werden ambulant verabreicht, sind auch für ältere Patienten mit Komorbiditäten gut verträglich, wirken vermutlich über eine Re-programmierung der Leukämiezellen und damit wahrscheinlich über andere Wirkmechanismen als die konventionelle Chemotherapie. Um die Wirksamkeit dieser epigenetischen Therapie zu steigern – die allein nicht zur Heilung von AML führt – wurden in den letzten Jahren zahlreiche Medikamentenkombinationen klinisch getestet. Durch die Zusammenarbeit innerhalb eines Studiennetzwerks von Ärzten verschiedener deutscher Universitätskliniken konnten wir in der multizentrischen klinischen Studie DECIDER (registriert unter NCT00867672) zeigen, dass Decitabin-Infusionen in Kombination mit einem Vitamin-A-Derivat (ATRA-Kapseln) zu einer klinisch bedeutsamen und statistisch signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens älterer AML-Patienten (medianes Alter 76 Jahre) im Vergleich zur Behandlung mit Decitabin allein führten. In der Nachfolgestudie (DECIDER-2) ist unser primäres Ziel, die Verlängerung des Patientenüberlebens mit ATRA-Add-on im Vergleich zur Behandlung ohne ATRA-Add-on zu bestätigen. Die Hälfte der Patienten erhält zusätzlich zu Decitabin ATRA-Kapseln, die andere Hälfte Placebo-Kapseln anstelle von ATRA in Kombination mit Decitabin (doppelblinde, randomisierte Studie). Alle Patienten erhalten zusätzlich ein drittes Medikament (Venetoclax-Kapseln), um den programmierten Zelltod in den AML-Zellen zu beschleunigen. Die Studie soll 256 Patienten an über 30 deutschen Studienzentren umfassen. Die wichtigste Fragestellung ist, ob Patienten, die ATRA erhalten, länger leben als Patienten, die Placebo (in Kombination mit den beiden anderen Medikamenten) erhalten. Ein zweites wichtiges Ziel ist die Messung der Lebensqualität vor und während dieser AML-Therapie. Hiermit hoffen wir nachweisen zu können, dass Patienten, die von der Behandlung profitieren, auch eine Verbesserung ihrer Lebensqualität erfahren. In begleitenden Laborstudien soll der Wirkmechanismus dieser neuartigen Therapie anhand von Knochenmark- und Blutzellen der Patienten untersucht werden, um bessere Vorhersagen darüber treffen zu können, welcher Patient am meisten von einer chemotherapiefreien Behandlung profitiert.
DFG-Verfahren
Klinische Studien
Mitverantwortlich
Professor Dr. Ralph Wäsch
