Paläomagnetismus permischer Becken Marokkos - Ein Beitrag zur Geodynamik des westlichen Mittelmeerraums im späten Paläozoikum
Paläontologie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die Konfiguration von Pangäa im späten Paläozoikum ist noch nicht eindeutig geklärt und hängt von der Interpretation der paläomagnetischen Daten aus Laurasia und Gondwana, sowie der Frage inwieweit paläomagnetische Daten für die adriatische Platte für die Rekonstruktion Pangäas im Perm genutzt werden können. Während der paläomagnetische Datensatz für Laurasia recht robust ist, ist dies für das frühe Perm von Gondwana nicht der Fall. Nutz man jedoch beide Datensätze für die Rekonstruktion Gondwanas nach Wegner (Pangäa A) ergibt sich eine Überlappung beider Kontinente von etwa 1000 km, was eine alternative Pangäa-Rekonstruktion (Pangäa B) erfordert, bei der Gondwana etwa 3000 km weiter östlich liegt. Da allgemeiner Konsens darüber besteht, dass der Zerfall von Pangäa und die Öffnung des Atlantischen Ozeans von einer klassischen Pangäa-A-Konfiguration ausging, ist eine dextrale Megascherungszone erforderlich, entlang derer Gondwana in die Konfiguration vor dem Zerfall überführt werden kann. Dieses Modell wird heftig diskutiert und die Existenz eines solchen intrakontinentalen Schersystems in Frage gestellt. Paläomagnetisch nachweisbare Blockrotationen im frühen Perm-Perm im heutigen westlichen Mittelmeerraum, können jedoch als Beleg für einer solchen Mega-Scherzone gewertet werden könnten. Unklar ist jedoch, ob die (a) permische Becken Marokkos Teil dieser Scherzone sind und ob (b) die Qualität der permischen paläomagnetischen Daten aus Marokko, die in der Pangäa A vs. B Debatte eine Schlüsselrolle spielen, von ausreichend hoher Qualität für zuverlässige paläogeographische Rekonstruktionen ist. Um diese beiden oben beschriebenen Punkte anzugehen, konzentrierte sich dieses Projekt auf die frühpermischen Becken der marokkanischen Meseta. Während zweier Feldkampagnen wurden 994 Proben aus 15 spätpaläozoischen Becken und zwei spätpaläozoischen Plutonen an 152 Lokalitäten entnommen und gesteins und paläomagnetisch analysiert. Zehn dieser Becken lieferten kohärente Ergebnisse, die als primär interpretiert werden. Die resultierenden virtuellen geomagnetischen Polpositionen (VGPs) beschreiben einen von Nordost nach Südwest verlaufenden Kleinkreis, der das frühpermische Segment der scheinbaren Referenzpolwanderkurve {APWP) für Gondwana schneidet. Der zugehörige Rotationspol befindet sich in Marokko, diagnostisch für signifikante Blockrotationen um vertikale Achsen innerhalb der Meseta, die als zeitgleich mit der Ablagerung interpretiert werden und die die südliche Ausdehnung der innerpangäischen Scherzone belegen. Die resultierenden Paläobreiten, die auf Inklinationen basieren, die unabhängig von den untersuchten Gesteinstypen sind, positionieren die marokkanische Meseta nahe am Paläoäquator in einer Pangäa-A-Typ-Konfiguration ohne kontinentale Überlappung. Darüber hinaus stellen unsere neuen Daten die Gültigkeit der kontinentalen Kohärenz der adriatischen Mikroplatte und Gondwanas im frühen Perm in Frage.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Paleomagnetism of Permian basins in Morocco – a contribution to Late Paleozoic geodynamics in the Western Mediterranean, Köln.
Weissbrodt, V., V. Bachtadse, H. Saber & A. Ronchi
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Tectonic imprints in Permian paleomagnetic data of Morocco. Earth-Science Reviews, 254, 104787.
Weissbrodt, Vinzenz; Bachtadse, Valerian; Kirscher, Uwe; Saber, Hafid; Liu, Yebo & Ronchi, Ausonio
