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Hit-­Piraten? Populäre radiophone Unterhaltungskultur am Beispiel der transnationalen kommerziellen Rund-­ funksender Radio Luxemburg und Europe n°1 in den langen 1960er Jahren

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2018 bis 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 285228642
 
Das Ziel dieses Teilprojektes ist es, die beiden größten und wichtigsten kommerziellen französischsprachigen Rundfunksender der langen 1960er Jahre in einer europäischen und transnationalen Verflechtungsgeschichte zu untersuchen. Angesichts dezidiert grenzüberschreitender Aktivitäten waren beide Sender privilegierte transnationale Akteure in der europäischen Medienlandschaft und bilden somit mit Blick auf die verschiedenen Spannungsfelder des Gesamtprojekts ein besonders geeignetes und relevantes Studienobjekt. Aus medienhistorischer Sicht ergibt sich die Relevanz zum einen aus der politisch-institutionellen Bedeutung, die beiden Sendern in der europäischen Rundfunklandschaft zukam. Sowohl für Frankreich als primär anvisierter Hörermarkt als auch für Deutschland und Luxemburg als Senderstandorte das das Entstehen und die Existenz der beiden kommerziellen Sender gleichbedeutend mit einem konstanten Auseinandersetzen mit bzw. Infragestellen von rundfunkpolitischen Rahmenbedingungen und programmpolitischen Grundsatzentscheidungen. Radio Luxemburg und Europe nr.1 standen de facto für das Ende der Monopolstellung öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik und in Frankreich und sind demnach als Vorgeschichte des dualen Rundfunksystems zu interpretieren.Bestand dieses in Großbritannien seit der Einführung von Independent Television im Jahre 1955 offiziell, war die Existenz der stations périphériques gleichbedeutend mit einer extra-teritorialen Dualität von privaten und öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten im französischen Rundfunkraum. Die Folge war eine ganz eigene Dynamik des Aushandelns kommerzieller, politischer und kultureller Interessen durch die beteiligten Akteure: Staat, Privatindustrie, Kulturindustrie und Hörerschaft. Dass dieser Aushandlungsprozess nicht nur auf politscher bzw. staatlicher Ebene stattfand, sondern im Sinne sozialkonstruktivistischer Theorie von Medienrealität auch und gerade auf der Ebene der user, d.h. der Hörerinnen und Hörer, darauf legt das Teilprojekt besonderen Wert.Die spezifische Rolle, die das Medium Radio im massenmedialen Ensemble der langen 1960er Jahre spielt, macht Hit-Piraten für das Gesamtprojekt besonders wichtig. Gerade die Konkurrenz zum neuen Medium Fernsehen, welches trotz der populären Rhetorik des Neuen, mit dem es beworben wurde, eher als konservative Revolution zu gelten hat, sorgte für einen Innovationsschub beim Hörfunk. Zukunftsträchtige Formate entstanden, neue Technologien wie mobile Aufzeichnungsgeräte oder UKW kamen auf den Markt, und durch mobiles Hören Dank Tranistor- oder Autoradio traten veränderte Hörpraktiken zutage. Da sich damals eine ganz neue Hörkultur ausbildete, leistet Hit-Piraten auch einen wichtigen Beitrag zu den aufstrebenden Forschungsfeldern der Sound Studies und der Popular Music Studies.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
Internationaler Bezug Luxemburg
Partnerorganisation Fonds National de la Recherche
 
 

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