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EXC 2036:  Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS)

Fachliche Zuordnung Sozial- und Kulturanthropologie, Außereuropäische Kulturen, Judaistik und Religionswissenschaft
Alte Kulturen
Geschichtswissenschaften
Literaturwissenschaft
Theologie
Förderung Förderung seit 2019
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 390683433
 
Warum gibt es auch in der modernen Welt immer noch Schuldknechtschaft, Zwangsarbeit, häusliche Leibeigenschaft oder sexuelle Ausbeutung? Trotz wiederkehrender Versuche, solche starken asymmetrischen Abhängigkeiten (SAA) abzuschaffen, bestehen diese weiter fort. Ist die Aufklärung etwa gescheitert? Diese zentralen Fragen stehen im Mittelpunkt unseres Clusters. 150 Fallstudien über alle Zeiten und Räume hinweg haben wir bisher der Untersuchung von Entstehung, Verbreitung und Konsolidierung von SAA gewidmet. Anhand historisch belegter, empirischer Daten konnten wir zeigen, dass (1) Institutionen, die verschiedene Arten von SAA legitimieren, weltweit in allen von uns untersuchten Gemeinschaften existierten. Daraus ziehen wir den Schluss, dass (2) diese Institutionen ein integraler Bestandteil sozialer Ordnungen sind. Um Gesellschaften zu verstehen, müssen wir daher die grundlegende Bedeutung von SAA für menschliches Zusammenleben anerkennen. In der ersten Förderperiode konnten wir SAA als innovatives Analyseinstrument einführen und erproben. Jetzt möchten wir Dependency Studies als interdisziplinäres Forschungsfeld in den Geistes- und Sozialwissenschaften etablieren. Letztlich erforschen wir, warum und wie SAA in der Vergangenheit entstanden sind, warum und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben und warum sie bisher nicht verschwunden sind. Diese Themen sind für vergangene und moderne Gesellschaften von gleichermaßen fundamentaler Bedeutung. Angesichts der zentralen Frage, wie ein faires Zusammenleben in Zukunft gestaltet wer-den kann, liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit auf den aktuellen Debatten über den Umgang mit der Last der Vergangenheit. Dafür untersuchen wir zum einen das wirtschaftliche, politische und kulturelle koloniale Erbe und überlegen zum anderen zusammen mit gesellschaftlichen Akteur*innen, wie SAA in zukünftigen sozialen Konfigurationen besser kontrolliert und eingehegt werden können. Das Cluster hat weltweit einzigartige Infrastrukturen aufgebaut. Mit mehr als 200 Forscher*innen, rund 100 Fellows, über 250 Veranstaltungen und etwa 350 Publikationen in den letzten fünf Jahren sind wir zu einem global ausstrahlenden Leuchtturmprojekt geworden. Die enge Zusammenarbeit mit relevanten Institutionen nicht nur in Europa und der anglo-amerikanischen Welt, sondern ebenso in Afrika, Lateinamerika und Asien führte zur Etablierung eines internationalen Netzwerks von 24 miteinander kooperierenden Universitäten und Forschungseinrichtungen. In den nächsten 7 Jahren werden wir auf dem von uns eingeschlagenen Weg konsequent weiter voranschreiten und vor allem über unsere BA- und MA-Programme, unser Promotionsprogramm und unsere postdoktorale Nachwuchsförderung eine neue Generation von Forscher*innen auf dem Gebiet der Dependency Studies ausbilden. Unser methodisches und theoretisches Repertoire, unsere historische Tiefe und geografische Breite sowie die globale Perspektive unserer Forschung qualifizieren uns dafür in einzigartiger Weise.
DFG-Verfahren Exzellenzcluster (ExStra)
 
 

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