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Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland, 1970 bis 1990

Antragstellerin Dr. Barbara Manthe
Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2017 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 391219289
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Ziel des Vorhabens war eine quellengestützte Gesellschaftsgeschichte des Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1970 und 1990. Durch die Auswertung großer Quellenbestände konnten neue Erkenntnisse über rechtsterroristische Akteure und ihre Einbindung in Gruppenstrukturen gewonnen werden. Antikommunismus, die Glorifizierung des Nationalsozialismus, der Kampf gegen politische Gegner sowie Rassismus waren die vier großen Motivationsfelder, die Rechtsterroristen zu ihren Gewaltvorhaben veranlassten. Ab Mitte der 1970er Jahre nahmen Sprengstoffanschläge zu und Rechtsterroristen gingen zunehmend in den Untergrund; explizit setzten sich die Akteure damit in Beziehung zu linksterroristischen Strategien. In den 1980er Jahren waren Anschläge oft rassistisch motiviert und wurden allgegenwärtiger und alltäglicher. Bemerkenswert ist, dass Rechtsterrorismus im Untersuchungszeitraum vorrangig ein Erwachsenen- und kein Jugendphänomen war, obwohl rechtsterroristische Gewalt ab Ende der 1970er Jahre zunehmend als Jugendproblem wahrgenommen wurde. Untersucht wurden auch die Strafverfolgung und gesellschaftliche Reaktionen auf den Rechtsterrorismus. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren war er in der westdeutschen Politik und Öffentlichkeit ein präsentes Thema; die Bundesrepublik präsentierte sich zeitweise als „starker Staat“ gegen den Rechtsterrorismus – sowohl in der strafrechtlichen Verfolgung, die sich verschärfte, als auch in der politischen Debatte. In den 1980er Jahren schwächte sich die Strafverfolgung ab; rechtsradikale Gewalttaten wurden oftmals nicht mehr als terroristisch interpretiert. Im Projekt wurde auch der Umgang mit Opfern und ihren Angehörigen beleuchtet, die zu Beginn des Untersuchungszeitraums gesellschaftlich wie politisch marginalisiert waren. Dies änderte sich nach dem Oktoberfestattentat 1980. Seit den frühen 1980er Jahren lässt sich an verschiedenen Orten der Bundesrepublik – etwa München oder Hamburg – eine größere Öffentlichkeit für die Belange von Opfern sowie eine verstärkte Sichtbarmachung und Intervention durch Betroffene selbst beobachten. Dieser Befund spiegelt größere gesellschaftliche Entwicklungen wider, weil Gewaltopfer in dieser Zeit auf gesellschaftlicher, politischer und juristischer Ebene stärker in den Vordergrund rückten. Da das Forschungsprojekt mit zu den ersten dezidiert geschichtswissenschaftlich ausgerichteten Vorhaben zählte, die sich dem Thema Rechtsterrorismus vor 1990 zuwenden, tragen die darin gewonnenen Erkenntnisse zur Grundlagenforschung bei. Zudem liefern die Ergebnisse des Projekts wichtige Erkenntnisse und Erklärungen für die Vorbedingungen und die Vorgeschichte der Eskalation rechtsradikaler Gewalt im Deutschland der frühen 1990er Jahre.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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