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Cognitive and neurobiological characterization of deficit awareness in aphasia after stroke

Subject Area Clinical Neurology; Neurosurgery and Neuroradiology
Human Cognitive and Systems Neuroscience
Term from 2018 to 2023
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 393048839
 
Final Report Year 2024

Final Report Abstract

Ein fehlendes Störungsbewusstsein für ein Defizit (Anosognosie) ist ein häufiges Symptom bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen. Die Anosognosie ist besonders prägnant nach kortikaler Schädigung der rechten Hemisphäre zu beobachten und tritt häufig in Assoziation mit einem Neglect auf. Während die Anosognosie z.B. für eine Hemiparese ein eindrückliches Symptom ist und bereits in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht wurde, ist über ein gestörtes Störungsbewusstsein bei einer Aphasie bisher wenig bekannt. In diesem DFG- Projekt untersuchten wir eine Kohorte von 90 Patienten mit Aphasie auf das Vorliegen einer Anosognosie für die Aphasie (AfA) von der akuten bis in die chronische Phase nach einem linkshemisphäriellen Hirninfarkt. Durch die Verwendung von drei verschiedenen Erfassungsinstrumenten für die AfA (etabliertes Testinstrument [VATA-L], strukturiertes Interview, Selbsteinschätzung bei der Sprachtestung) wurden verschiedene Teilaspekte eines gestörten Störungsbewusstseins für die Aphasie erfasst. Insgesamt fand sich nur bei einem geringen Anteil der Patienten eine Anosognosie für ihre Aphasie. Vor allem Defizite in der Sprachproduktion wurden in der Regel gut wahrgenommen (maximal 11 % über alle Testzeitpunkte). Häufig jedoch war das vollständige Negieren von Defiziten im Sprachverständnis insbesondere bei Anwendung des strukturierten Interviews (52-60 % über alle Testzeitpunkte). Erstaunlich war der Befund, dass die Schwere der Sprachverständnisdefizite im Gegensatz zu den Defiziten in der Sprachproduktion keinen Einfluss darauf hatte, wie viel logopädische Therapie die Patienten erhielten. Darüber hinaus konnten wir durch die Anwendung eines etablierten Worträtsels und eines neu entwickelten non-verbalen Bilderrätsels das Konzept der Selbstüberschätzung domänenübergreifend für die Anosognosie der Hemiparese und Hemianopsie nach rechtshemisphärieller Hirnschädigung evaluieren, die Ergebnisse für die Aphasie hingegen stehen noch aus. Zur Identifizierung der zugrundeliegenden Netzwerkstörung der AfA etablierten wir eine methodische Pipeline in der wir das klassische voxelbasierte Läsionsmapping (VLSM) mit funktionellen und strukturellen Läsionsnetzwerkanalysen kombinierten. Vorläufige Ergebnisse zeigten eine Assoziation der Anosognosie für Sprachverständnisstörungen mit linkshemispäriellen Läsionen des Gyrus temporalis superior, der anterioren Insula, der Capsula externa und interna sowie des Gyrus frontalis inferior. Aussagen zur neuronalen Charakterisierung der Anosognosie für die Störung der Sprachproduktion sind mit den vorhandenen Daten nicht möglich. Darüber hinaus konnten wir unsere Pipeline erfolgreich auf weitere Patientenkohorten mit zum Teil seltenen neuropsychologischen Störungen anwenden, u.a. Aphasien nach Thalamusläsionen, das Pusher-Syndrom, die Post-Stroke Depression und das Pathologische Lachen und Weinen. Hiermit konnten interessante Einblicke in die zugrundeliegenden Netzwerkpathologien dieser Störungen gewonnen werden. Zusammenfassen liefert unser Projekt erstmalig Daten über Vorliegen und Phänotyp der Anosognosie für die Aphasie und ihre zugrundeliegende Netzwerkpathologie. In zukünftigen Projekten sollten (noch) größere Kohorten untersucht und dabei vor allem Messinstrumente der AfA zum Einsatz kommen, die auch im Falle einer schweren Aphasie anwendbar sind. Die Pandemie ab 01/2020 mit den Einschränkungen bei der Patientenrekrutierung und - nachverfolgung hat den Projektverlauf maßgeblich beeinflusst. Bezüglich der Ergebnisse hatten wir nicht damit gerechnet, dass das Auftreten einer Anosognosie so stark zwischen Sprachproduktion (selten) und Sprachverständnis (häufig) differiert und bis in die chronische Phase persistiert.

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