Drip pricing and market competition --- experimental evidence
Final Report Abstract
Das vorliegende Projekt widmet sich der Frage, inwieweit ausgefeilte Preissetzungsmechanismen auf der Firmenseite zusammen mit beschränkter Aufmerksamkeit auf der Kundenseite eine Regulierung erforderlich machen. Der Fokus des ersten Teils liegt auf der Regulierung des sogenannten Drip Pricing. Beim Drip Pricing handelt es sich um eine Preissetzungspraxis, bei der der Gesamtpreis in mehrere Komponenten aufgegliedert wird, die potenziellen Käufern nacheinander offenbart werden. Da Kunden nach Bekanntwerden einzelner Preiskomponenten für gewöhnlich bereits Zeit auf die Auswahl der Produkte verwendet haben, ist eine neuerliche Suche nur zu Kosten möglich (Lock-in). Das Teilprojekt untersucht experimentell, wie sich Drip Pricing auf die Strategien der Firmen und das Verhalten der Kunden auswirkt, um eine Einschätzung darüber abzugeben, ob eine Regulierung sinnvoll ist. Im Experiment setzen die Verkäufer zwei Preise (Basispreis und zusätzlicher Preis [Drip Price]). Die Käufer beobachten zu Beginn lediglich den Basispreis und entscheiden sich zunächst für einen Anbieter. Im weiteren Verlauf können sich die Käufer die zusätzlichen Preise der Anbieter anzeigen lassen, was jedoch Kosten für sie verursacht. Die Daten aus dem Experiment weisen darauf hin, dass sich der Wettbewerb zwischen den Verkäufern auf die Basispreise konzentriert; die Zusatzpreise hingegen werden höchstmöglich angesetzt. Insofern ist der Basispreis ein verlässliches Signal dafür, welcher Verkäufer den geringsten Gesamtpreis verlangt. Darüber hinaus zeigt sich, dass nur die wenigsten Käufer nach Zusatzpreisen suchen. Ein Vergleich mit dem Bertrand- Wettbewerb ergibt, dass wenn die maximal mögliche Höhe der Drip Prices in einer weiteren Variation des Experimentes unsicher ist, der Wettbewerb sich auch auf die zusätzlichen Preise erstreckt; in diesem Fall wählen Kunden weniger häufig das billigste Angebot. Dies führt dazu, dass die Rente der Kunden geringer ausfällt bei gleichzeitig höheren Gewinnen für die Firmen. Die Abschaffung des Drip Pricing zeitigt somit positive Effekte für Kunden. Die Analyse des zweiten Teils beschäftigt sich mit der Frage, welche Auswirkungen die Abschaffung von sogenannten Roaming-Entgelten zwischen den Mitgliedsländern der Europäischen Union haben. Der theoretische Ansatz unterstellt einen Markt, in dem zwei horizontal differenzierte Firmen an den beiden Enden einer linearen Stadt Verträge mit zweiteiligen Tarifen (einem Basispreis [Flat Rate] und einem mengenabhängigen Nutzungsentgelt für Roaming) anbieten. Zudem berücksichtigen nicht alle Kundengruppen bei Vertragsabschluss Nutzungsentgelte. Wir analysieren zwei regulatorische Eingriffe: (i) Reduzierung der Anzahl an zweiteiligen Tarifen (keine Preisdiskriminierung zwischen Gruppen) sowie (ii) Reduzierung der Komplexität von Verträgen durch Abschaffung der Nutzungsentgelte (keine Preisdiskriminierung innerhalb einer Gruppe/zwischen Gruppen). Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass derartige Eingriffe – je nach Anteil der informierten Käufergruppe – die Konsumentenrente erhöhen, aber Firmen schaden können (was bei der Reduzierung der Möglichkeiten der Preisdiskriminierung nicht unbedingt klar ist). Insofern liefern wir eine Begründung für die Vorteilhaftigkeit des Vorgehens der europäischen Wettbewerbsbehörden.
Publications
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Complex pricing and consumer-side attention. ZEW Discussion Paper 20-075
Christian Fischer-Thöne, Alexander Rasch & Tobias Wenzel
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Drip pricing and its regulation: Experimental evidence. Journal of Economic Behavior & Organization, 176, 353-370.
Rasch, Alexander; Thöne, Miriam & Wenzel, Tobias
