Differentielle Effekte eines unmittelbaren vs. verzögerten Extinktionstrainings und der zeitlichen Variation zwischen Extinktionstraining und Test auf das Wiederauftreten konditionierter Furchtreaktionen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
In der Klinischen Psychologie sind Extinktionsprozesse zentrale Modelle für die Aufrechterhaltung und Behandlung von Angststörungen und sind in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt der Forschung gerückt. Bei affektiven Lernprozessen wird zwischen verschiedenen Phasen unterschieden: (1) Akquisition, (2) Extinktionstraining und (3) Retentionstest (auch Extinktionstest genannt). Eine wichtige Frage im Zusammenhang betrifft die Bedeutung des Zeitpunkts, zu dem das Extinktionstraining durchgeführt wird. Das Extinktionstraining wird häufig entweder sofort (d. h. direkt nach der Akquisitionsphase oder z. B. 24 Stunden später) durchgeführt. Bisher gibt es nur wenige Studien, in denen die beiden Zeitpunkte (sofort vs. verzögert) verglichen wurden. In früheren Studien wurde gezeigt, dass ein verzögertes Extinktionstraining zu höheren konditionierten Furchtreaktionen während des Retentionstests führt. Diese Ergebnisse stützen frühere Gedächtnismodelle, die davon ausgehen, dass Gedächtnisspuren unmittelbar nach der unmittelbaren Encodierung instabiler (und damit leichter veränderbar) sind, während Gedächtnisspuren nach einem verzögerten Extinktionstraining aufgrund einer stärkeren Konsolidierung schwerer zu verändern sind. Das vorliegende Projekt untersuchte die Kernfrage, ob eine experimentelle Variation des Zeitpunkts des Extinktionstrainings (sofortiges vs. verzögertes Training) mit einer veränderten neuronalen Verarbeitung und einer unterschiedlichen Reaktionsfähigkeit im Hinblick auf die Wiederholung konditionierter Furchtreaktionen verbunden ist. Darüber hinaus wurden verschiedene Faktoren untersucht, die mit dem Erlernen oder der Extinktion in Verbindung stehen könnten. Zur Beantwortung der Kernfrage wurde ein mehrtägiges differenzielles Konditionierung- Extinktion-Paradigma mit insgesamt vier Gruppen durchgeführt. Die vier Gruppen unterschieden sich durch das Zeitintervall zwischen Furchterwerb und Extinktionstraining (sofort vs. verzögert) und das Zeitintervall zwischen Extinktionstraining und Retentionstest (1 Tag vs. 7 Tage). Die sofortige Löschung des konditionierten Reizes führte zu Beginn des Extinktionstrainings zu einer erhöhten SCRs auf den CS+. Ein „Return of Fear“ wurde in beiden Extinktionsgruppen beobachtet, mit einem größeren Wiederauftreten der Furcht bei sofortiger Extinktion (trendweise). Die Rückkehr der Furcht war in den Gruppen mit einem frühen Extinktionstest höher. Die fMRI-Ergebnisse zeigen den erfolgreichen Erwerb und das Wiederauftreten der Furcht in verschiedenen Gruppen sowie die Aktivierung des linken Nucleus Accumbens während des Extinktionstrainings. Interessanterweise wies die Gruppe mit der verzögerten Extinktion eine ausgeprägtere bilaterale Aktivierung des Nucleus Accumbens während des Tests auf, welche in dem Artikel ausführlicher diskutiert wird.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Neural correlates of immediate versus delayed extinction when simultaneously varying the time of the test in humans. Cerebral Cortex, 33(15), 9325-9338.
Kampa, Miriam; Hermann, Andrea; Stark, Rudolf & Klucken, Tim
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The impact of past childhood adversity and recent life events on neural responses during fear conditioning. Journal of Neuroimaging, 34(2), 217-223.
Kampa, Miriam; Stark, Rudolf & Klucken, Tim
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The impact of extinction timing on pre-extinction arousal and subsequent return of fear. Learning & Memory, 31(4), a053902.
Kampa, Miriam; Stark, Rudolf & Klucken, Tim
