Erweiterung des Stressor-Detachment Modells: eine multimethodale ambulante Interventionsstudie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Ziel des Projekts war die Untersuchung der Rolle negativer Aktivierung und regulativer Strategien im Rahmen des Stressor-Detachment Modells. Nachdem das Stressor-Detachment Modell annimmt, dass kurzfristige Prozesse des psychologischen Abschaltens geschachtelt sind in längerfristigeren Prozessen, sollten in dem Projekt die Stärken von longitudinalen Designs und Experience Sampling Methoden in einem so genannten Measurement Burst Design kombiniert werden. Darüberhinaus sollte getestet werden, ob das Modell, das bisher vornehmlich auf einer deskriptiven Ebene zur Beschreibung ätiologischer Prozesse empirische Evidenz aufweist, zur Vorhersage von Veränderungen im Rahmen einer Intervention beitragen kann. In einer randomisierten, kontrollierten Studie (N = 393) mit zwei Interventionsgruppen (IG1 = achtsamkeitsbasiert, IG2 = kognitiv-behavioral orientiert) und einer Wartekontrollgruppe wurden mehrere Messungen implementiert: Ein Prätest, ein Posttest (8 Wochen später) und ein Follow-up (3 Monate nach dem Posttest), drei Wochen Experience Sampling und einzelne Experience Sampling Tage parallel zum 6-wöchigen Onlinetraining. Daraus resultierte ein komplexer Datensatz mit bis zu 126 Messzeitpunkten pro Person und insgesamt 24 998 Datenpunkten. Es zeigte sich, dass die beiden Trainings, die stark im Alltag der Teilnehmenden verankert waren, sehr gut wirksam waren (Latent Change im psychologischen Abschalten von Prä zu Post d = 1.37 für die Achtsamkeitsgruppe und d = 1.04 für die kognitiv-behaviorale Gruppe), wobei beide Interventionen äquivalent in ihrer Wirksamkeit waren (BF01 = 6.31). Interessanterweise ergaben sich auch substanzielle Veränderungen im psychologischen Abschalten in der Kontrollgruppe (d = 0.72), die wir jedoch nur hinsichtlich des Prä-Post-Vergleichs beobachtet haben – aber nicht in den Experience Sampling Daten, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass hier diagnostisch unterschiedliche Informationen vorliegen. Durch die Intervention induzierte Veränderungen innerhalb von Personen konnten mit Hilfe des Stressor- Detachment Modell nicht vorhergesagt werden, aber wir konnten zeigen, dass der negativen Aktivierung eine zentrale Rolle in dem Modell zukommt, während die Untersuchung der Effekte regulativer Strategien, ergänzt um Daten einer Folgestudie, noch nicht abgeschlossen ist. Im Rahmen einer ergänzenden, explorativen Analyse konnten wir zeigen, dass komplementär zu variablen-zentrierten Ansätzen, die üblicherweise in der Evaluation von Interventionen zum Tragen kommen, auch unterschiedliche latente Profile der vier Erholungsfacetten (Detachment, Relaxation, Mastery, Control) durch Interventionen systematisch verändert werden können – bzw. dass Übergänge zu (günstigeren) Profilen mit Veränderung in den relevanten sekundären Outcomes (Schlafqualität und Stress) einhergehen. Aktuell wird der Datensatz für weitere Fragestellungen im Rahmen von Kooperationen genutzt und anschließend zur breiteren Nachnutzung veröffentlicht.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Interventionsdesign, Evaluationsverfahren und Wirksamkeit von Interventionen. Handbuch Gesundheitsförderung bei der Arbeit, 1-12. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Reis, Dorota & Meier, Laurenz L.
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Promoting recovery in daily life: study protocol for a randomized controlled trial. BMC Psychology, 9(1).
Reis, Dorota; Hart, Alexander; Lehr, Dirk & Friese, Malte
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Applying measurement bursts to evaluate changes in withinperson dynamics in psychological detachment:
Findings from a randomized trial [Conference presentation]. Conference of the Society for Ambulatory Assessment, Amsterdam, Netherlands.
Reis, D. & Friese, M.
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How, when, and whom we measure affects how we measure affect. 17. Arbeitstagung der Fachgruppe Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik (DPPD) in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Salzburg, Austria.
Peuckmann, L., Friese, M. & Reis, D.
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Measuring affect in experience sampling studies: Implications of measurement (non-)equivalence across time and persons [Conference presentation]. Conference of the Society for Ambulatory Assessment, Amsterdam, Netherlands.
Peuckmann, L., Friese, M. & Reis, D.
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The Dynamics of Negative Activation and Psychological Detachment from Work: A measurement burst intervention study. 17. Arbeitstagung der Fachgruppe Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik (DPPD) in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Salzburg, Austria.
Reis. D. & Friese, M.
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Towards promoting recovery: Insights from a four-armed randomized control trial [Conference presentation]. European Association of Work and Organizational Psychology Conference, Katowice, Poland.
Reis, D., Hart, A., Krautter, K., Lehr, D. & Friese, M.
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Evaluating Training-Related Changes in Profiles of Recovery Experiences. Center for Open Science.
Peuckmann, Lisa; Friese, Malte & Reis, Dorota
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Latent Profiles of Recovery Experiences: Do Changes in Membership Indicate Intervention Success? [Conference presentation]. 53rd DGPs congress / 15th ÖGP conference, Vienna, Austria.
Reis, D. & Friese, M.
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Methodological considerations for assessing measurement invariance across time and persons in experience sampling: An application to the construct of fatigue [Conference presentation]. 53rd DGPs congress / 15th ÖGP conference, Vienna, Austria.
Peuckmann, L., Prestele, E. & Reis, D.
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Mindfulness and cognitive–behavioral strategies for psychological detachment: Comparing effectiveness and mechanisms of change.. Journal of Occupational Health Psychology, 29(4), 258-279.
Reis, Dorota; Hart, Alexander; Krautter, Kai; Prestele, Elisabeth; Lehr, Dirk & Friese, Malte
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Recovery from Work: A Measurement Burst Intervention Study
Reis, D., Friese, M., Hart, A., Krautter, K. & Prestele, E.
