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Imperia sine fine? Der römisch-parthische Grenzraum als Konflikt- und Kontaktzone vom späten 1. bis zum frühen 3. Jh. n.Chr.

Fachliche Zuordnung Alte Geschichte
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 396777136
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Gegenstand des Projektes war eine Untersuchung des römisch-parthischen Grenzraumes im Nahen Osten in der Zeit von Vespasian und Vologaeses I. bis zu Severus Alexander und dem Fall der Arsakiden-Dynastie. In einem deutlichen Paradigmenwechsel wurde dabei nicht mehr nur die römische Grenzverteidigung und die imperiale Strategie, sondern die Entwicklung der Grenzräume beiderseits der Grenze insgesamt systematisch in den Blick genommen werden. Aus einer dezidiert lokalen bzw. regionalen Perspektive heraus wurden neben militärischen Aspekten der Grenzsicherung der Imperien auch und vor allem die politischen, kulturellen und wirtschaftlich-sozialen Veränderungen in dem durch das Aufeinandertreffen zweier Imperien zum Grenzraum gewordenen Gebiet zwischen dem Taurusgebirge und der syrischen Steppe analysiert. Aus heutiger Perspektive kann man sagen, daß die Breite des Themas und der Fragestellungen uns dann doch Grenzen gesetzt haben. Die ursprünglich im Arbeitsprogramm vorgesehene Gesamtschau konnte letztlich nicht erarbeitet werden. Allerdings sind wir überzeugt, daß die Untersuchungen verschiedener, auf die übergeordnete Fragestellung bezogener Fallbeispiele aus unterschiedlichen Regionen dann doch so etwas wie ein Gesamtbild ergeben. Die Untersuchungen zeigen, daß die in den Blick genommene Region sehr viel stärker von den friedlichen Kontakten der Imperien als von den Konflikten zwischen ihnen geprägt war. Der Grenzraum südlich des Taurus war vor allem eine Zone des Austausches, des Handels, der kulturellen Kontakte und der Beziehungen zwischen den regionalen politischen Akteuren. Zwei gegensätzliche Aspekte können anhand der exemplarisch untersuchten Punkte hervorgehoben werden: Einerseits prägten die beiden Großreiche im Untersuchungszeitraum ihre Peripherien durch ihre machtpolitischen, wirtschaftlichen und militärischen Parameter nachhaltig; andererseits bildeten der von altorientalischen, aramäischen und hellenistischen Kultureinflüssen geprägte Fruchtbare Halbmond und der von arabischen Nomadenstämmen kontrollierte syrische Steppenraum in dieser Zeit – unabhängig vom Grenzverlauf – jeweils eine Einheit mit ganz eigenem Charakter. Im Spannungsfeld der beiden großen Imperien zu agieren, bot weit mehr Chancen als Risiken, ein Umstand, der vor allem für die lokalen Eliten interessant war.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Das Epitaph für den iberischen Prinzen Amazaspos, in: Udo Hartmann/Frank Schleicher/Timo Stickler (Hgg.), Imperia sine fine. Der römischparthische Grenzraum als Kontakt- und Konfliktzone, Stuttgart 2022, 289–312.
    Timo Stickler
  • Die wirtschaftliche Entwicklung der nabatäischen Gebiete als Phänomen des Grenzraumes, in: Udo Hartmann/Frank Schleicher/Timo Stickler (Hgg.), Imperia sine fine. Der römisch-parthische Grenzraum als Kontakt- und Konfliktzone, Stuttgart 2022, 13–42.
    Frank Schleicher
  • Imperia sine fine?. W. Kohlhammer GmbH.
    Hoffmann-Salz, Julia; Facella, Margherita; Brüggemann, Thomas; Ruffing, Kai; Ugulava, Giorgi; Gadjiev, Murtazali; Baltrusch, Ernst; Raja, Rubina; Wilker, Julia; Klingenberg, Andreas; Hauser, Stefan; Olbrycht, Marek Jan; Marciak, Michal; Kümmel, Martin Joachim; Konrad, Michaela; Sommer, Michael; Stickler, Timo; Hartmann, Udo; Schleicher, Frank & Dirven, Lucinda
  • The Stele of Śargas. Edition and Commentary of a Caucasian-Aramaic Inscription, Epigraphica 85, 2023, 341–381.
    Nicolas Preud’homme & Frank Schleicher
  • Zum palmyrenischen Handelsnetz im Westen, Anabasis 12, 2023
    Frank Schleicher
  • Armenien und der Südkaukasus in severischer Zeit – historiographische Tradition und politische Bedeutung. The Eastern Roman Empire under the Severans, 279-308. Vandenhoeck & Ruprecht.
    Schleicher, Frank
  • Patria und imperium sine fine im fünften Jahrhundert? Orosius und der Geist der Zeit, in: Timo Stickler/Umberto Roberto (Hgg.), Das Weströmische Reich und seine Erforschung. Neue Perspektiven, Stuttgart 2024, 67–91.
    Frank Schleicher
 
 

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