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Computerisierung und Wissensproduktion in ost- und westdeutschen Sicherheitsbehörden, 1960-1990

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2017 bis 2019
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 397084663
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Forschungsprojekt „Computerisierung und Wissensproduktion in ost- und westdeutschen Sicherheitsbehörden, 1960-1990“ untersuchte, wie sich die Einführung von Computertechnologie auf die Arbeitsweise, Organisation und Wissensverarbeitung von Polizei- und Nachrichtendiensten in der DDR und der Bundesrepublik auswirkte. Ziel des Projekts war es herauszufinden, welche Veränderungen der Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in diesen Behörden ausgelöst hat. Dabei ging es nicht nur um technische Neuerungen, sondern vor allem um deren Auswirkungen auf interne Machtstrukturen, Wissenshierarchien und Arbeitsabläufe. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Digitalisierung auf beiden Seiten der Mauer vor allem durch praktische Herausforderungen vorangetrieben wurde - insbesondere durch die Überforderung mit den rasant wachsenden Informationsbeständen ("Informationsflut") und die Notwendigkeit, Reisende und andere überwachte Personen effizient zu erfassen und zu kontrollieren. Die Antwort bestand in der Einführung maschinenlesbarer Dateien und auch von Datenbanksystemen, deren Umsetzung jedoch häufig an technische und organisatorische Grenzen stieß. Widerstände kamen oft aus den eigenen Reihen - etwa aus den Auswertungseinheiten, die ihre komplexe Arbeit durch die Standardisierung der Daten bedroht sahen. Das Projekt zeigt auch, dass die Digitalisierung nicht automatisch zu einer Modernisierung der Strukturen führte. Zwar wurden neue IT-Abteilungen geschaffen, doch der Aufbau von technischem Know-how gestaltete sich schwierig, nicht zuletzt aufgrund von Sicherheitsbedenken gegenüber externem Personal. Die Behörden investierten in die Ausbildung eigener IT- Spezialisten, arbeiteten aber gleichzeitig mit Firmen wie Siemens oder IBM zusammen - selbst das MfS beschaffte auf konspirativen Wegen westliche Computertechnik und ließ sie von westdeutschen Mitarbeitern warten und programmieren. Bemerkenswert ist auch, wie ähnlich die Entwicklung in Ost und West in vielen Aspekten verlief. Beide Seiten setzten auf zentrale Informationsverarbeitung, kämpften gegen zentrifugale Tendenzen und technische Hemmnisse und versuchten, ihre Organisation den neuen Möglichkeiten anzupassen. In der Bundesrepublik führte die wachsende Datenschutzdebatte ab Mitte der 1970er Jahre jedoch zu einer stärkeren Reglementierung des EDV-Einsatzes - im Gegensatz zur DDR, wo die technische Machbarkeit im Vordergrund stand. Aus heutiger Sicht ist das Projekt hoch relevant, weil es die historischen Wurzeln heutiger digitaler Sicherheitsinfrastrukturen beleuchtet. Es zeigt, wie eng staatliche Kontrolle und Informationstechnologie seit Jahrzehnten miteinander verwoben sind - und wie sich Fragen, die uns heute im Zusammenhang mit Datenschutz, Überwachung und IT-Kompetenz in Behörden beschäftigen, bereits in der Vergangenheit stellten. Die Forschung bietet damit eine wichtige historische Perspektive auf aktuelle Debatten um den Umgang mit sensiblen Daten in Sicherheitsbehörden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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