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Entwicklungsaufgaben in der beruflichen Pflegeausbildung

Fachliche Zuordnung Allgemeines und fachbezogenes Lehren und Lernen
Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 397140108
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die subjektive Perspektive der Pflegeauszubildenden auf pflegerische Qualifikationsanforderungen wurde bisher bei der Konzeption von Bildungsangeboten für die Pflegeausbildung nicht systematisch berücksichtigt. Aber nur wenn Bildungsgegenstände für die Auszubildenden bedeutungsvoll sind, werden sie interessiert und selbstbestimmt lernen. Bislang fehle n Studien zur Sichtweise der Auszubildenden. Die Studie „Entwicklungsaufgaben in der beruflichen Pflegeausbildung“ beruht auf dem sozialisationstheoretischen Ansatz der Entwicklungsaufgaben, wonach persönliche Entwicklungsaufgaben aus der subjektiven Wahrnehmung, Interpretation und Bearbeitung von gesellschaftlich gegebenen beruflichen Anforderungen resultieren. Die Entwicklungsaufgaben und die jeweiligen Wahrnehmungs-, Interpretations- und Bearbeitungsprozesse wurden anhand einer qualitativen Längsschnittstudie mit drei Erhebungszeitpunkten (nach einem, ca. zwei und ca. drei Ausbildungsjahren) untersucht. Die Datenerhebung erfolgte anhand von episodischen Interviews bei anfangs 26 und bei der dritten Erhebung 17 verbleibenden Auszubildenden. Für die Auswertung wurde die rekonstruktiv-hermeneutischen Analyse nach Kruse genutzt. Die Studie ergab fünf Entwicklungsaufgaben von Pflegeauszubildenden, nämlich „Pflegekompetenz aufbauen“, „Pflegebeziehungen gestalten“, „Persönlichen Umgang mit Grenzsituationen entwickeln“, „Entwicklung eines Verständnisses von sich selbst und der Stellung in der Welt“ sowie „Rollenfindung in Organisationen“. Diese Aufgaben werden von den Auszubildenden wahrgenommen, interpretiert und bearbeitet. Allerdings ist der Bearbeitungsprozess mit Ende der Ausbildung noch nicht abgeschlossen, vielmehr lassen sich Lücken vor allem bei für die Professionskompetenz zentralen Entwicklungsaufgaben wie „Pflegekompetenz aufbauen“ und „Pflegebeziehungen gestalten“ feststellen. Weder eignen sich die Auszubildenden ein subjektorientiertes Pflegeverständnis an, noch erwerben sie eine adäquate Sichtweise von pflegerischer Beziehungsgestaltung und Kommunikation und damit einhergehende Fähigkeiten. Bei der Wahrnehmung, Interpretation und Bearbeitung ihr er Entwicklungsaufgaben schätzen die Auszubildenden vor allem informelle und formelle praktische Lernmöglichkeiten (z. B. Beobachtung von und gemeinsame Arbeit mit Kolleg*innen, zeitnahe und differenzierte Rückmeldungen, Praxisanleitungen). Der schulische Unterricht wird von ihnen diesbezüglich kaum als förderlich wahrgenommen. Ältere und/oder berufserfahrene Pflegeauszubildende sind oftmals schon fortgeschritten in der Bearbeitung von Entwicklungsaufgaben, müssen aber auch angeeignetes Können reflektieren und weiterentwickeln, was zum Teil Konflikte verursacht. Aus den Ergebnissen kann geschlussfolgert werden, dass die Lern- und Bildungsangebote der schulischen Ausbildung zukünftig stärker an den Entwicklungsaufgaben anknüpfen müssen, um die Aufgabenbearbeitung gezielter als bisher zu fördern und dadurch auch bessere Ergebnisse hinsichtlich der Kompetenzentwicklung zu erzielen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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