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Neurokognitive Prozessparameter kognitiver Leistungsfähigkeit

Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 399695734
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

In diesem Projekt wurde ein neurokognitives Prozessmodell der Intelligenz untersucht, das annimmt, dass eine höhere neuronale Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit die Effizienz der selektiven Aufmerksamkeit sowie des Aktualisierens von Gedächtnisinhalten erhöht. Diese größere Effizienz exekutiver Funktionen sollte sich positiv auf die Leistung in Arbeitsgedächtnisaufgaben und Intelligenztests auswirken. Es sollten insbesondere zwei zentrale Modellvorhersagen überprüft werden: Erstens sollte der Zusammenhang zwischen neuronaler Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und allgemeiner Intelligenz bzw. Arbeitsgedächtniskapazität durch die Effizienz exekutiver Funktionen vermittelt werden. Zweitens sollte sich der starke Zusammenhang zwischen allgemeiner Intelligenz und Arbeitsgedächtniskapazität zumindest teilweise durch die zugrundeliegenden Drittvariablen erklären lassen. Ein weiteres Ziel des Projekts bestand darin, die Replizierbarkeit und Robustheit des starken Zusammenhangs zwischen neuronaler Verarbeitungsgeschwindigkeit und Intelligenz zu untersuchen. Um diese drei Fragestellungen zu adressieren, wurden die vier zentralen Konstrukte – neuronale Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, exekutive Funktionen, Arbeitsgedächtniskapazität und Intelligenz – mit je mindestens drei Indikatoren in einer Allgemeinbevölkerungsstichprobe bestehend aus 151 Versuchspersonen an insgesamt drei Messzeitpunkten erhoben. Auf Basis der Projektdaten wurden drei zentrale Ergebnisse erzielt. 1) Die Robustheit des starken Zusammenhangs zwischen neuronaler Verarbeitungsgeschwindigkeit und allgemeiner Intelligenz konnte im Rahmen einer Multiverse-Analyse bestätigt werden. 2) Es zeigten sich in der Messung und Modellierung exekutiver Funktionen sowohl auf Verhaltensebene als auch auf elektrophysiologischer Ebene psychometrische Herausforderungen, welche die Frage aufwerfen, inwiefern sich exekutive Funktionen – insbesondere selektive Aufmerksamkeit – als psychometrisch kohärente und aufgabenübergreifende Konstrukte abbilden lassen. Zur Überwindung der aufgetretenen Messprobleme wurde für das Konstrukt der selektiven Aufmerksamkeit ein neurokognitiv psychometrisches Modell entwickelt, das die reliable und valide Messung individueller Unterschiede in der selektiven Aufmerksamkeit durch Nutzung mathematischer Modellparameter ermöglichte. 3) Das neurokognitive Prozessmodell der Intelligenz konnte teilweise bestätigt werden, da die Effizienz der selektiven Aufmerksamkeit sowie des Aktualisierens von Gedächtnisinhalten mit individuellen Unterschieden in der neuronalen Verarbeitungsgeschwindigkeit als auch der kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert waren, der indirekte Effekt der Mediation jedoch nur für die selektive Aufmerksamkeit statistisch signifikant wurde. Entsprechend der Annahmen des neurokognitiven Prozessmodells verschwand der Zusammenhang zwischen Arbeitsgedächtniskapazität und allgemeiner Intelligenz nach Aufnahme der neurokognitiven Prozessparameter in das Modell. Insgesamt sprechen die Befunde dafür, dass individuelle Unterschiede in der Aktualisierung von Gedächtnisinhalten und der selektiven Aufmerksamkeit einen Teil des Zusammenhangs zwischen neuronaler Verarbeitungsgeschwindigkeit und allgemeiner Intelligenz sowie einen substanziellen Teil des Zusammenhangs zwischen Arbeitsgedächtniskapazität und Intelligenz erklären.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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