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Die Rolle der linearen Ubiquitinierung bei der Proteinaggregation

Fachliche Zuordnung Zellbiologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 400967619
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Zur Aufrechterhaltung der neuronalen Viabilität und Hömöostase sind Neuronen auf effiziente Mechanismen der zellulären Stessantwort und Qualitätskontrolle angewiesen. Störungen dieser Systeme sind mit Alterungsprozessen und neurodegenerativen Erkrankungen assoziiert. Zahlreiche dieser Systeme werden durch Ubiquitylierung reguliert, wie zum Beispiel proteasomale Degradierung, Autophagie und Organellen-spezifische Stressantwort-Programme. Unsere bisherigen Ergebnisse zeigten, dass der lineare Ubiquitin-Ketten-Assemblierungskomplex (LUBAC) an fehlgefaltete Proteinspezies rekrutiert wird, die mit Neurodegeneration assoziiert sind, wie z.B. an mutiertes Huntingtin mit elongierten Polyglutamin-Trakt (Htt-polyQ). LUBAC kann fehlgefaltetes Huntingtin mit linearen Ubiquitin-Ketten modifizieren und dadurch dessen Toxizität reduzieren. Basierend auf diesen Beobachtungen stellten wir die Hypothese auf, dass zytoplasmatische Proteinaggregate ähnlich wie intrazelluläre Bakterien als zellulären „Pathogenen“ erkannt werden. Dies hat die Rekrutierung und Aktivierung von LUBAC zur Folge, um diese „Pathogene“ zu eliminieren. Die Resultate, die im Rahmen dieses Antrags gewonnen wurden, zeigten, dass HOIP, die katalytische Komponente des LUBAC, an fehlgefaltetes Huntingtin in einer p97/VCP-abhängigen Art und Weise rekrutiert wird, um lineare Ubiquitin-Ketten zu assemblieren. Dies hat die Abschirmung der interaktiven Aggregatoberfläche zur Folge, so dass keine unerwünschten Interaktionen, z.B. die Sequestrieung von Transkriptionsfaktoren, eintreten und proteasomaler Abbau der Aggregate stattfinden kann. Interessanterweise konnten lineare Ubiquitin-Ketten an allen untersuchten zytoplasmatischen Proteinaggregaten nachgewiesen werden. Der Einfluss von linearen Ubiquitin-Ketten auf das Schicksal der Aggregate war interessanterweise abhängig von der Art des fehlgefalteten Proteins. Im Falle von α-Synuclein induzierte LUBAC sowohl den proteasomalen als auch den autophagosomalen Abbau. Wir konnten mit NEMO ein Protein identifizieren, das den Effekt der linearen Ubiquitylierung auf die Autophagie vermittelt. NEMO bindet spezifisch an lineare Ubiquitin-Ketten und rekrutiert den Autophagie-Rezeptor p62 in Kondensate an der Interphase von Proteinaggregaten. Dies erleichtert die Degradierung von α-Synuclein-Aggregaten durch Autophagie. Diese Funktion von NEMO ist physiologisch relevant, da wir eine Patientin identifiziert haben mit einer Mutation im IKBKG-Gen, das für NEMO kodiert. Die daraus resultierenden NEMO-Variante kann nicht an lineare Ubiquitin- Ketten binden. Die Patientin entwickelte mit Anfang 40 eine schwerwiegende neurodegenerative Erkrankung mit einer ausgedehnten Ablagerung verschiedener Proteinaggregate, insbesondere von α-Synuclein-, Tau- und TDP-43-Aggregaten.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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