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Umgang mit religiöser Heterogenität im konfessionellen Religionsunterricht. Eine triangulative Studie zum Status Quo vorfindlichen Unterrichts

Fachliche Zuordnung Katholische Theologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 401439582
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Religiöse Vielfalt ist ein zentrales Kennzeichen heutigen Religionsunterrichts, denn sie prägt nicht nur die religiösen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, sondern definiert unter dem Schlagwort der Pluralitätsfähigkeit, welche für einen respektvollen Umgang mit Menschen unterschiedlicher religiösweltanschaulicher Überzeugungen steht, auch den Zielhorizont religiösen Lernens in der Schule. Das vorliegende Projekt eröffnet einen empirischen Einblick in den Umgang mit religiöser Vielfalt im Rahmen des Religionsunterrichts auf der Grundlage eines differenzierten Verständnisses dieses Phänomens. Zum einen wird hinsichtlich dieser Vielfalt in Anlehnung an Rudolf Englert zwischen positionellen, stilistischen, kontextuellen und biographischen Aspekten unterschieden, zum anderen wird das Ziel der Pluralitätsfähigkeit anhand der Teilkompetenzen Standpunktfähigkeit, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel und Dialogfähigkeit operationalisiert. Auf dieser begrifflichen Grundlage wird untersucht, a) was Religionslehrkräfte unter religiöser Vielfalt verstehen und welche Rolle sie ihr in ihrer Unterrichtsplanung und -durchführung zuschreiben, b) wie religiöse Vielfalt im vorfindlichen Religionsunterricht thematisiert wird und c) wie Wahrnehmung und Thematisierung zusammenhängen. Dazu bedient sich das Projekt eines Mixed-Methods-Designs, in dem eine Interviewstudie mit Religionslehrpersonen und eine Videostudie zum Religionsunterricht aufeinander bezogen werden. Die Interviews wurden inhaltsanalytisch und die Unterrichtsvideos anhand hoch-inferenter Ratingmanuale ausgewertet. Die Grundlage der Analyse stellen 22 problemzentrierte Interviews und 42 Unterrichtsvideos dar, die in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in berufsbildenden und allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2018/19 erhoben wurden. Es zeigt sich, dass sowohl in der Wahrnehmung der Lehrkräfte als auch in den Religionsstunden ein positioneller, inhaltsbezogener Zugang zu religiöser Vielfalt dominiert, während stilistische, kontextuelle und biographische Zugänge zwar angetroffen werden, aber nicht stark ausgeprägt sind. Hinsichtlich der Pluralitätsfähigkeit zielt das Lernangebot der Stunden eher niedrige Kompetenzniveaus zu Standpunktfähigkeit und Perspektivenwechsel an, was dem Befund aus den Interviews entspricht, dass in den Aussagen der Lehrinnen und Lehrer sich zwar unterschiedliche Kompetenzniveaus rekonstruieren ließen, diese den Befragten aber nicht aktiv zur Verfügung standen. Außerdem fällt auf, dass die Lehrpersonen eine gute Atmosphäre im Unterricht als Voraussetzung für einen gelingenden Dialog anführen, ein solcher Dialog trotz durchgängig guter Atmosphäre in den beobachteten Stunden aber nur in zwei Stunden realisiert wird. Unter Vorbehalt ihres explorativen Charakters, legen die Befunde des Projekts zwei Konsequenzen für zukünftige religionspädagogische Konzeptbildung nahe: Zum einen sollten die stilistischen, kontextuellen und biographischen Aspekte religiöser Vielfalt stärker berücksichtigt werden, wofür der Heterogenitäts-Diskurs eine geeignete theoretische Rahmung bieten dürfte. Zum anderen bedarf es einer differenzierten Ausarbeitung von Kompetenzniveaumodellen zur Standpunktfähigkeit, zur Fähigkeit zum Perspektivenwechsel und zur Dialogfähigkeit sowie einer theoretisch schlüssigen Verhältnisbestimmung dieser drei Teilkompetenzen von Pluralitätsfähigkeit. In praktischer Hinsicht kann die Religionslehrkraftbildung und -weiterbildung an die Befunde dieses Projekts anschließen, die (zukünftige) Lehrerinnen und Lehrer zum differenzierten Umgang mit religiöser Vielfalt im Religionsunterricht zu befähigen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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