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Kooperative Kinetik von Defekten und Domänenstrukturen in Ferroelektrika

Fachliche Zuordnung Theoretische Physik der kondensierten Materie
Förderung Förderung von 2019 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 405631895
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das allgemeine Ziel des Vorhabens war es, die Hauptmerkmale der Bildung und kooperativen Entwicklung von Domänenstrukturen in Ferroelektrika in Gegenwart von beweglichen – ionischen oder elektronischen – Ladungsträgern sowie elektroneutralen elastischen Defekten im Volumen oder an der Oberfläche zu ermitteln. Folgende Probleme wurden im Rahmen des Projekts untersucht und Ergebnisse erhalten: 1. Die gekoppelte Entwicklung der Polarisationsdomänenstruktur und der Verteilung der beweglichen Ladungsdefekte (Elektronen, Löcher und Sauerstoffleerstellen) im akzeptordotierten tetragonalen Bariumtitanat wurde im Rahmen des Landau-Ginzburg-Devonshire-Ansatzes (LGD) untersucht, der neben Polarisation und elektrischem Feld auch piezoelectrische, elektrostriktive und flexoelektrische Kopplung umfasste. Es wurde eine Hierarchie von charakteristischen Zeiten aufgedeckt, die mit verschiedenen Prozessen zusammenhängen, die zur Materialalterung beitragen. 2. Für die dehnungsinduzierte Ordnung von elektrisch neutralen elastischen Defekten (z.B. Sauerstoffleerstellen) in dünnen Oxidschichten wurde ein Landau-Modell entwickelt, das zwei defektgeordnete Phasen zeigt, die entweder durch parallele oder senkrechte Defektordnung in Ebenen gekennzeichnet sind, und deren Phasendiagramme in Bezug auf die Schicht-Substrat-Fehlanpassungsdehnung und die Konzentration von Defekten berechnet und analysiert wurden. 3. Unter Verwendung des LGD-Ansatzes wurde der Einfluss der Misfit-Dehnung und der Oberflächenabschirmungsladungen sowie die Rolle des flexoelektrischen Effekts im Fall einer rhomboedrischen ferroelektrischen Blei-Zirkonat-Titanat-Dünnschicht mit einer anisotropen Fehlanpassung, die durch ein Substrat verursacht wird, untersucht. Insbesondere wurde die spontane Bildung stabiler und reproduzierbarer 3D-Polarisationsschlussstrukturen (Skyrmionen) auf der freien Oberfläche der Schicht bei hoher negativer Misfit-Dehnung festgestellt, die auch in Abwesenheit des flexoelektrischen Effekts sowie in Gegenwart einer beträchtlichen Oberflächenabschirmung erhalten blieben. 4. Eine Kopplung zwischen Oberflächenelektrochemie und intrinsischen polaren Instabilitäten in Antiferroelektrika wurde unter Verwendung des modifizierten thermodynamischen LGD-Ansatzes in Bezug auf die polaren und antipolaren Ordnungsparameter untersucht, der durch das Stephenson-Highland-Modell der absorbierten Ionen und Leerstellen an der Oberfläche ergänzt wurde. Die möglichen Anwendungen der mit einer Oberflächen-Ionen-Schicht überzogenen antiferroelektrischen Schichten zur Energie- und Informationsspeicherung wurden quantitativ untersucht und diskutiert. 5. Über die ursprünglichen Projektziele hinaus wurde die Kinetik der ferroelektrischen Domänenbildung und -schaltung untersucht, insbesondere das mehrstufige stochastische Schalten in multiaxialen polykristallinen Ferroelektrika und die stochastische Bildung der Domänenstruktur in einem einachsigen einkristallinen Ferroelektrikum.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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