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Zwischen Abgrenzung und Verflechtung. Eine vergleichende Untersuchung zur deutschen Nachkriegsgeschichte in den Bereichen der Außen- und Sicherheitspolitik 1955 – 1990

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2018 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 405693564
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, warum die geteilte deutsche Nachkriegsgeschichte nur eine auf vier Jahrzehnte beschränkte "Episode" und keine unbegrenzt weitergetragene "Epoche" (Peter Bender) blieb. Was waren die Ursachen, warum die Teilung Deutschlands nach vier Jahrzehnten in der Wiedervereinigung endete? Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) blieben von der doppelten Staatsgründung bis zur Wiedervereinigung stets aufeinander bezogen, wenngleich das Mischungsverhältnis zwischen Abgrenzung und Verflechtung im Laufe der vierzig Jahre Teilung unterschiedlich war und der wechselseitige Bezug in allen Phasen asymmetrisch blieb. Für die Umkehr der deutschen Nachkriegsgeschichte Ende der 1980er differenziert die Studie zwischen struktureller und operativer Verflechtung. Strukturelle Verflechtung leitete sich aus den Folgen der doppelten Staatsgründung 1949 ab. Die operative Verflechtung resultierte aus dem Umgang mit den Folgen der Teilung. Hieraus leiten sich zwei Hypothesen für den Wandel der geteilten deutschen Nachkriegsgeschichte ab: "Handelte die DDR-Führung ihren eigenen Untergang in Helsinki aus" (Oliver Bange) oder führte der "Gorbatschow-Faktor" (Archie Brown) zum staatlichen Ende der DDR? Das Ergebnis der Studie lautet: Dass die deutsch-deutsche Beziehungsgeschichte mit der Auflösung der DDR endete, war in der ungleich zu Lasten der DDR angelegten strukturellen Verflechtung prädisponiert. Die drei existentiellen Legitimationsmuster der DDR - die Begründung ihrer staatlichen Identität über die Gesellschaftskonzeption und in Abgrenzung als sozialistische Alternative in direkter Nachbarschaft zum westdeutschen Konkurrenzstaat sowie das Staats- und das Gesellschaftssystem der Sowjetunion stalinistischer Prägung als Vorbild und Maßstab - brachen mit der Reformpolitik Gorbatschow weg. Gleichzeitig schritt der Anfang der 1980er Jahre einsetzende Erosionsprozess der militärischen und wirtschaftlichen Ostbindungen als Klammer für die Existenz der DDR weiter voran. Schließlich sorgte die "kompromisslose Festigung der sozialistischen Ordnung" (Otto Reinhold) durch die SED-Führung dafür, dass die DDR-Volkswirtschaft konsequent auf einen "Totalschaden" (Günter Mittag) zusteuerte und zusammen mit den anhaltenden Beschränkungen im Reiseverkehr mit dem Westen der DDR-Bevölkerung allabendlich über das Westfernsehen zeigte, wie Deutsche unter anderen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen leben konnten. Erich Honecker tat genau das, was er unbedingt mit dem sozialistischen Gesellschaftsmodell DDR verhindern wollte: Er torpedierte dessen herrschaftssichernde Zielsetzung. So konnte im Herbst 1989 die latente in eine offene, existenzielle Legitimationskrise des SED-Herrschaftssystems umschlagen. Den kausalen Zusammenhang zwischen Beginn und Ende der deutsch-deutschen Verflechtungsgeschichte brachte Rudolf Seiters treffend auf den Punkt: "Was ist die DDR ohne Sozialismus? Deutschland."

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Between the Blocs: The Two German States in International Politics, 1955-1990, in: German Historical Institute London Bulletin, 15 (2019) 1, S. 73-101
    Franz-Josef Meiers
  • Außen- und Sicherheitspolitik im geteilten Deutschland. Eine Verflechtungsgeschichte. Erscheint als Monografie in der von Prof. Dr. Stefan Creuzberger herausgegebenen Reihe Diktatur und Demokratie im 20. Jahrhundert (Band 10) im be.bra-Verlag 2022, ca. 560 Seiten
    Franz-Josef Meiers
 
 

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