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Muschelschalen-basierte, hochaufgelöste Multi-proxy-Rekonstruktion mariner Primärproduktion – Pecten maximus, Bucht von Brest

Fachliche Zuordnung Paläontologie
Ökologie und Biodiversität der Tiere und Ökosysteme, Organismische Interaktionen
Physik, Chemie und Biologie des Meeres
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 406350147
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das deutsch-französische Kooperationsprojekt HIPPO zielte darauf ab, geochemische Methoden für die Rekonstruktion mariner Primärproduktion anhand von Muschelschalen zu entwickeln bzw. zu verfeinern, die u.a. für Meereswissenschaften, Paläoökologie und Paläoklimatologie nützlich sein könnten. Als Untersuchungsgebiet wurde ökologisch bereits intensiv beforschte Bucht von Brest in NW Frankreich gewählt. Schalen von Pecten maximus dienten als biogene Archive für Primärproduktions-Dynamiken und die Elemente Ba, Mo und Li (in-situ gemessen via LA-ICP-MS) als entsprechende Proxys. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1) Ba/Cashell dient als Indikator für bestimmte Phytoplankton-Arten, insb. Diatomeen, und nicht – wie in der Vergangenheit oft proklamiert – als Proxy für die Gesamtheit der Phytoplanktonzellen im Wasser. 2) Bei der Interpretation der Ba/Cashell Daten müssen artspezifische Variationen der Menge zellulären Bariums berücksichtigt werden. 3) Mo/Cashell-Werte sind mit Blüten bestimmter Dinoflagellaten sowie Diatomeen- Aggregationsereignissen assoziiert. 4) Große Diatomeenblüten und das Vorkommen bestimmter Gattungen toxischer Kieselalgen führen zur hohen Li/Cashell-Werten. 5) Die geochemische Aufzeichnung dieser Umweltsignale in der Schale erfolgt zeitverzögert (Tage). 6) Ba/Cashell, Mo/Cashell and Li/Cashell-Verhältnisse erfassen zuverlässig ökologische Signale der Wassersäule. Prozesse an der Sediment-/Wasser-Grenze haben dagegen keinen großen Einfluß auf die Spurenelementprofile der Schalen. 7) Ba, Mo und Li können nicht nur als qualitative, sondern auch als quantitative Proxys zur Rekonstruktion der Phytoplanktondynamik dienen. Letzteres erfordert allerdings eine Normalisierung, weil schalenspezifische Parameter (Schalenhöhe, Wachstumsund Filtrationsrate) die Aufnahme der Spurenelemente und deren Einbau in die Schale beeinflussen. 8) Laut geochemischer Analysen archäologischer Schalen werden Umweltsignale der Vergangenheit (>4500 Jahre BP) zuverlässig im Schalenkarbonat aufgezeichnet. Dies erlaubt die Rekonstruktion von Phytoplanktondynamiken der Vergangenheit. 9) Stickstoffisotopenanalysen an der organischen Matrix der Schalen (sowohl bulk als auch komponentenspezifisch) legen nahe, daß P. maximus als hochauflösendes Archiv zur Rekonstruktion von Nahrungsnetz-Dynamiken dient. Die in diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse und aufgestellte Hypothesen legen den Grundstein für zukünftige Studien. (1) Kontrollierte Fütterungsexperimente mit spezifischen Phytoplanktonarten als Nahrung wären äußerst nützlich, um die vorgeschlagenen Aufnahmemechanismen von P. maximus zu überprüfen und so die untersuchten Proxys weiter zu optimieren. (2) Ba/Cashell, Mo/Cashell und Li/Cashell sollten in anderen Jakobsmuschel-Taxa getestet werden, ggf. sogar in anderen Muschelarten. (3) Arbeiten an (sub)fossilen Schalen von Jakobsmuscheln sollten fortgesetzt werden, um mit Hilfe der hier entwickelten geochemischen Werkzeuge den anthropogenen Einfluß auf die Phytoplankton-Dynamiken zu erforschen. Dies könnte Prognosen über zukünftige Trends der Phytoplanktonentwicklung ermöglichen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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