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Akustische Indikatoren für Sprachdominanz bei bilingualen Sprechern und Sprecherinnen des Hoch- und Niederdeutschen in Ostfriesland

Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 406518522
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Niederdeutsche wird heute nur noch im Kontext hochdeutsch-niederdeutscher Zweisprachigkeit erworben und seine Zukunft hängt entscheidend davon ab, ob eine ausgewogene Zweisprachigkeit mit einer Funktionsaufteilung der beiden Sprachen besteht oder aber eine der beiden Sprachen eine zunehmende Anzahl von Lebensbereichen dominiert und die nicht-dominante Sprache nur noch eingeschränkt erworben wird. Das Forschungsprojekt ging der Frage nach, ob in der jüngeren Generation eine Verschiebung der Dominanz zugunsten des Hochdeutschen stattgefunden hat, und ob der Gebrauch des Niederdeutschen mit einer erhöhten kognitiven Belastung verbunden ist. Erwartet wurde, dass sich beim Gebrauch des Niederdeutschen eine höhere kognitive Belastung zeigt als beim Gebrauch des Hochdeutschen, und dass dieser Unterschied umso größer ist, je jünger und hochdeutschdominanter die Sprecher*innen sind. Anknüpfend an Befunde der Kognitiven Psychologie und der Mehrsprachigkeitsforschung wurde untersucht, ob sich beim Gebrauch des Hochund Niederdeutschen akustische Effekte unterschiedlicher kognitiver Belastung finden lassen. Hierfür wurden akustische Variablen im Bereich der Stimmqualität, der Vokalrealisierung und der Redeflüssigkeit untersucht. Die Datenerhebung wurde in 14 der 19 Ortschaften der Gemeinde Krummhörn im westlichen Ostfriesland durchgeführt. 95 bilinguale Sprecher*innen im Alter von 15–88 Jahren führten in beiden Sprachen sieben Sprechaufgaben aus. Zusätzlich wurden anhand einer Übersetzungsaufgabe Informationen zur Dialektkompetenz im Niederdeutschen gewonnen. Ferner wurde anhand eines Fragebogens ein Dominanzscore berechnet, der das Verhältnis beider Sprachen bzgl. Erwerbsalter, Gebrauchsfrequenz und Gebrauchssituationen quantifiziert. Erwartungsgemäß nahm mit abnehmendem Alter der Befragten die Dominanz des Hochdeutschen zu. Die akustische Analyse zeigte Unterschiede beim Gebrauch des Hoch- und Niederdeutschen im Bereich der Stimmqualität und Redeflüssigkeit, und dieser Unterschied war umso ausgeprägter, je jünger und hochdeutsch-dominanter die Sprecher*innen waren. Die Art dieser Variation spricht dafür, dass jüngere und stärker hochdeutsch-dominante Sprecher*innen aus der Krummhörn beim Gebrauch des Niederdeutschen eine höhere kognitive Belastung aufweisen als beim Gebrauch des Hochdeutschen. Demgegenüber hat sich die Vokalrealisierung für die Einschätzung der kognitiven Belastung als weniger geeignet erwiesen. Das in diesem Projekt erprobte Verfahren eröffnet neue Wege für die Mehrsprachigkeitsforschung und insbesondere für die Beurteilung des Gefährdungsgrades von Regional- und Minderheitensprachen, denn die kognitive Belastung beim Sprachgebrauch dürfte neben der Sprachkompetenz eine entscheidende Rolle dabei spielen, ob eine bedrohte Sprache als Familiensprache etabliert und so an die jüngere Generation weitergegeben wird.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Effects of cognitive stress and cognitive load on vowel production in High German (L1) and Low German (L2). 16. Phonetik und Phonologie im deutschsprachigen Raum (P&P), Trier/online, 11.09.2020
    Frank, M.; Rohloff, M. & Peters, J.
  • Fluency as an indicator of language proficiency and task difficulty in learners of Low German as L2. 16. Phonetik und Phonologie im deutschsprachigen Raum (P&P), Trier/online, 11.09.2020
    Rohloff, M.; Frank, M. & Peters, J.
  • Pitch Range Variation in High German (L1) and Low German (L2). Speech Prosody 2020, 650-654. ISCA.
    Peters, Jörg; Frank, Marina & Rohloff, Marina
  • Sprachdominanz bei bilingualen Sprechern und Sprecherinnen des Hoch- und Niederdeutschen in Ostfriesland. DoktorandInnenkolloquium der FK III, Universität Oldenburg, 08.01.2020
    Frank, M. & Rohloff, M.
  • Effects of cognitive stress and language dominance on vowel productions in bilingual speakers of High German and Low German. 17. Phonetik und Phonologie im deutschsprachigen Raum (P&P), Frankfurt/online, 30.09.2021. [Poster]
    Frank, M.; Rohloff, M. & Peters, J.
  • Prosodische Variation beim Gebrauch des Niederdeutschen als L2. 10. Kolloquium Forum Sprachvariation der IGDD und 9. Nachwuchskolloquium des VndS, Bonn/online, 23.01.2021
    Frank, M. & Rohloff, M.
  • Sprechgeschwindigkeitsmaße als Indikatoren für Sprachkompetenz und Aufgabenschwierigkeit bei Niederdeutschlernenden. 10. Nachwuchskolloquium des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, Oldenburg/online, 6.10.2021
    Rohloff, M. & Frank, M.
  • Akustische Indikatoren für kognitive Belastungsreaktionen beim Gebrauch des Hoch- und Niederdeutschen. 7. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD), Salzburg, Österreich, 07.07.2022
    Peters, J.; Frank, M. & Rohloff, M.
  • Akustische Indikatoren für Sprachdominanz im Kontext hochdeutschniederdeutscher Zweisprachigkeit. Ein Forschungsprojekt an der Schnittstelle zwischen Regionalsprachenforschung, Mehrsprachigkeitsforschung und akustischer Phonetik. 22. Norddeutsches Linguistisches Kolloquium, Oldenburg/online, 08.04.2022
    Peters, J.
  • Fluency as an indicator of language dominance in bilingual speakers of High and Low German. Small languages, big ideas: the smaller Germanic languages from a theoretical, general and comparative perspective (SLBI), Oldenburg, 01.07.2022
    Rohloff, M.; Frank, M. & Peters, J.
  • Fluency as an indicator of language proficiency and task difficulty in learners of Low German as L2. Workshop Dialects across Borders, RU Groningen & University of Oldenburg, 16.06.2022
    Rohloff, M.
  • Objectives and motivation of the research project “Acoustic indicators of language dominance in bilingual speakers of High and Low German in East Frisia”. Workshop Dialects across Borders, RU Groningen & University of Oldenburg, 16.06. 2022
    Peters, J.
  • Effects of Cognitive Load on Vocal Fold Vibratory Patterns in Bilingual Speakers of Low and High German. Journal of Voice.
    Peters, Jörg; Frank, Marina & Rohloff, Tio
  • Effects of cognitive load on vowel production in bilingual speakers of High and Low German. (Poster). 20th International Congress of Phonetic Sciences, Prag, Tschechien, 07.–11.08.2023.
    Frank, M.; Rohloff, M. & Peters, J.
  • Effects of cognitive load on vowel production in bilingual speakers of High and Low German. ID 216. Proceedings of the 20th International Congress of Phonetic Sciences. Prague, August 7-11, 2023, 2815–2819.
    Frank, M.; Rohloff, M. & Peters, J.
  • Neue Wege zur Erfassung kognitiver Belastung beim Zweit- und Fremdsprachengebrauch: Eine Studie zu bilingualen Sprecher*innen des Hoch- und Niederdeutschen. 15. Nordwestdeutsches Linguistisches Kolloquium, Oldenburg, 01.12.2023.
    Peters, J.; Frank, M. & Rohloff, T.
  • Vocal fold vibratory patterns in bilingual speakers of Low and High German. 20th International Congress of Phonetic Sciences, Prag, Tschechien, 07.–11.08.2023
    Peters, J.; Frank, M. & Rohloff, M.
  • Vocal fold vibratory patterns in bilingual speakers of Low and High German. ID 212. Proceedings of the 20th International Congress of Phonetic Sciences. Prague, August 7-11, 2023, 1731–1735.
    Peters, J.; Frank, M. & Rohloff, M.
  • Akustische Indikatoren kognitiver Belastung beim Gebrauch des Hochund Niederdeutschen. Linguistisches Kolloquium, Philipps-Universität Marburg, 17.01. 2024
    Peters, J.
  • Zur aktuellen Lage des Plattdeutschen in der Krummhörn. Ergebnisse eines Forschungsprojekts. Rathaus Pewsum, 01.02.2024.
    Peters, J.; Frank, M. & Rohloff, T.
 
 

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