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Wann und warum erlangen narzisstische Individuen Status in Gruppen?

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 407503175
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Personen mit sozialem Status werden von anderen respektiert und bewundert, und andere kommen freiwillig ihren Wünschen, Bedürfnissen und Anregungen nach. Daher haben Personen mit hohem Status einen starken Einfluss auf ihre soziale Umwelt. Das Projekt „Wann und warum erlangen narzisstische Individuen Status in Gruppen?“ untersuchte, ob und unter welchen Umständen narzisstische Menschen in Gruppen sozialen Status erlangen. Narzisstische Menschen sind Menschen, die selbstgefällig, antagonistisch, wettbewerbsorientiert und selbstbezogen sind. Die Kernstücke des Projekts bildeten eine Meta-Analyse und eine Laborstudie. In der Meta-Analyse untersuchten wir nicht nur, ob und wann narzisstische Züge wie Antagonismus und Durchsetzungsfähigkeit mit dem Erreichen von Status zusammenhängen, sondern auch ob und wann andere Persönlichkeitseigenschaften, Intelligenz und Körpergröße mit dem Erreichen von sozialen Status in Gruppen zusammenhängen. Für diesen Zweck wurden über 1.000 Effekte aus 276 Stichproben mit mehr als 56.000 Teilnehmer*innen metaanalytisch ausgewertet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sozialer Status häufig von Menschen erlangt wird, die entweder kompetent oder selbstlos sind. Gleichzeitig zeigte sich, dass auch durchsetzungsfähige und selbstdarstellende Menschen Status erreichen, vermutlich weil sie durch ihr Auftreten den Eindruck von Kompetenz oder Selbstlosigkeit erwecken. In der Laborstudie nahmen über 600 Personen teil, die in 7-9 Personen Gruppen interagierten. In jeder Gruppe hatte etwa die Hälfte der Gruppenmitglieder die Möglichkeit, Ressourcen mit allen anderen Mitgliedern zu teilen. Danach sahen die andere Hälfte, wie viel die Mitglieder der ersten Hälfte geteilt hatten, und hatten die Möglichkeit, Mitglieder der ersten Hälfte zu bestrafen. Unter den Gruppenmitgliedern, die die Möglichkeit hatten, Ressourcen zu teilen, neigten narzisstische Personen dazu, weniger zu teilen und weniger sozialen Status zu erlangen. Unter den Gruppenmitgliedern, die die Möglichkeit hatten, Gruppenmitglieder zu bestrafen, neigten narzisstische Personen dazu, mehr zu bestrafen und etwas mehr Status zu erreichen. Ob narzisstische Personen Status erreichen scheint also davon abzuhängen, ob sie in der jeweiligen Situation für die Gruppe nützlich sind oder nicht. Die Ergebnisse des Projektes haben nicht nur wichtige theoretische Implikationen für die Forschung, sondern auch praktische Relevanz. Die Ergebnisse der Meta-Analyse unterstreichen zum Beispiel die Notwendigkeit, bei Personen mit hohem sozialem Status nicht als selbstverständlich auch von großer Kompetenz oder Selbstlosigkeit auszugehen. Es wäre ratsam bei Auswahlentscheidungen in Organisationen evidenzbasierte Verfahren (z.B. Intelligenztests) zu implementieren, um die richtigen Personen für Führungspositionen zu bestimmen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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