Detailseite
Projekt Druckansicht

Objektive Indikatoren der posttraumatischen Dissoziation

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 408068658
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dissoziation ist ein psychologisches Phänomen, das im psychologisch-diagnostischen Manual DSM-5 als Störung, Unterbrechung und/oder Diskontinuität der normalen, subjektiven Integration von Verhalten, Identität, Bewusstsein, Emotion, Wahrnehmung, Körperrepräsentation und motorischer Kontrolle definiert ist. Dissoziationen können in einem pathologischen Ausmaß im Rahmen einer psychischen Störung auftreten. So sind wiederkehrende dissoziative Episoden, auch lange nach dem traumatischen Ereignis, ein bekanntes Phänomen bei Patient*innen mit chronischer posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Dies betrifft in etwa ein Drittel aller PTBS-Patient*innen, welche zumeist schwerwiegendere Symptombilder aufweisen. Sie berichten unter Anderem von Depersonalisierungserfahrungen (dem Gefühl, dass der eigene Körper nicht zu sich selbst gehört oder außerkörperliche Erfahrungen) und von Desrealisierungserfahrungen (dem Gefühl, dass die Umgebung unwirklich ist). Eine solche negativ-Symptomatik dämpft das sensorische und emotionale Selbsterleben der Betroffenen, was das Berichten über die Symptomatik und somit die Erfassung von z. B. neurobiologischen Prozessen erschwert. Dies blockiert wichtige Erkenntnisprozesse in der Grundlagenforschung dissoziativen Erlebens, aber auch im klinischen Anwendungsgebiet zu Diagnostik und Therapie. Bereits entwickelte theoretische Modelle, die sowohl endokrine, neurobiologische als auch physiologische Implikationen vornehmen, konnten bisher nicht ausreichend mit empirischen Belegen bestätigt werden. Es ist Ziel dieses Projektes, objektivierbare Marker zu identifizieren, um eine physiologisch messbare Brücke zum subjektiven menschlichen Erleben zu ermöglichen und um körpernahe Parameter in der Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen, z.B. durch die Diagnostik mittels mobilen Monitorings von Gesundheitsdaten oder der Anwendung von Biofeedbacktraining bei dissoziativem Erleben. Anhand einer Untersuchung an Patientinnen mit posttraumatischer Belastungsstörung im Symptomprovokationsparadigma zeigte sich, dass das Wiedererleben traumatischer Belastungen mit stark erhöhter Körperschwankung und verminderter Schmerzempfindlichkeit einhergeht, wobei die Schmerzempfindlichkeit unter Symptomprovokation bei Patienten des dissoziativen Subtypes geringer ausgeprägt war. Andere objektivierbare Marker der Dissoziation konnten nicht gezeigt werden, besonders fand sich auch in weiteren Untersuchungen im Rahmen dieses Projektes zeigten keine Veränderung kardiovaskulärer Parameter bei Dissoziation.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung