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Nomothetische und ideographische Ansätze zur Untersuchung von Dynamik in Fairnesswahrnehmungen im Bewerbungsprozess

Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 408072622
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte hat die Forschung zur organisationalen Gerechtigkeit die Bedingungen für und die Auswirkungen von fairer und unfairer Behandlung auf psychologische Prozesse und Verhaltensweisen untersucht. Im Kontext der Personalauswahl ist Fairness entscheidend für die Wahrnehmung der Bewerbenden. Frühere Studien haben Fairnesswahrnehmung oft als eher statisches Konstrukt aufgefasst und dabei dessen dynamische Natur vernachlässigt. So spielen Veränderungen in der Fairnesswahrnehmung allerdings eine wichtige Rolle, beispielsweise in Hinblick auf Bewerberreaktionen. Das übergeordnete Ziel dieses Projekts war es daher, eine dynamische Perspektive einzunehmen und Veränderungen in den Fairnesswahrnehmungen der Bewerber im Laufe der Zeit anhand eines dualen Ansatzes zu untersuchen. Das erste Ziel des Projekts bestand darin, einen nomothetischen Ansatz zu verfolgen und bestehende Forschung zu Veränderungen in den Fairnesswahrnehmungen der Bewerber meta-analytisch zu synthetisieren. Die Studie sollte Nachweise für durchschnittliche Veränderungen und verschiedene Arten von Veränderungen in den Fairnesswahrnehmungen liefern und zentrale Mediatoren und Moderatoren dieser Veränderungen untersuchen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Fairnesswahrnehmungen der Bewerber im Laufe des Auswahlprozesses abnehmen, insbesondere bei denjenigen mit anfänglich hohen Fairnesserwartungen. Eine unfaire Behandlung ist mit einem signifikanten Rückgang der Fairnesswahrnehmungen zwischen der Pre-Test (vor den Auswahlverfahren) und Post-Test (nach den Auswahlverfahren) Phase verbunden. Entgegen der Erwartung nahm die wahrgenommene Fairness jedoch bei unfairer Behandlung zwischen der Post-Test und Post-Decision (nach der Entscheidungsmitteilung) Phase zu, möglicherweise aufgrund von Feedback oder Erklärungen seitens der Organisation. Insgesamt war die Befundlage allerdings sehr lückenhaft, die komplexere Fragestellungen zu Mediatoren nicht erlaubte. Das zweite Ziel des Projekts bestand darin, einen idiographischen Ansatz zur Untersuchung der Fairnesswahrnehmungen zu verfolgen. Im Rahmen eines intensiven Längsschnittdesigns erfasste die zweite Studie die täglichen Wahrnehmungen realer Bewerber, wobei zwischen Entity-Fairness (wahrgenommene Fairness der Bewerbenden in Bezug auf das Unternehmen) und Event-Fairness (wahrgenommene Fairness der Bewerbenden in Bezug auf das Personalauswahlverfahren) differenziert wurde. Insgesamt wurden drei Formen zeitlicher Veränderungen in beiden Fairnessarten (Trends, reziproke Effekte und Trägheit) in einem gemeinsamen Modell analysiert. Das Modell vereinigt die Vorteile von hochauflösenden individuumsbezogenen Daten, die simultan auf der Basis latenter Variablen analysiert werden. Die Ergebnisse bestätigten den bereits nomothetisch ermittelten Abwärtstrend für beide Fairnessarten, was auf statistische Ergodizität hinweist. Weiterhin zeigte sich eine positive reziproke Beziehung zwischen Entity- und Event-Fairness. Davon unabhängig konnte eine moderate bis starke Trägheit in beiden Fairnessarten nachgewiesen werden. Der duale Forschungsansatz zusammen mit einer Differenzierung zwischen Event- und Entity-Fairness und einer innovativen Auswertungsmethode lieferte ein umfassenderes Verständnis der Dynamik in den Fairnesswahrnehmungen der Bewerbenden während eines Auswahlprozesses. Praktische Implikationen für das HR-Management umfassen dabei die Notwendigkeit, zeitliche Dynamiken zu berücksichtigen, realistische Erwartungen zu setzen, Transparenz zu gewährleisten, Konsistenz aufrechtzuerhalten und Bewerbende während des gesamten Prozesses fair zu behandeln. Diese Praktiken können dazu beitragen, Folgen von Reduzierungen in den Fairnesswahrnehmungen zu verringern und damit die Effizienz der Auswahl zu verbessern.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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