Detailseite
Projekt Druckansicht

Sozialer Einfluss und perzeptuelle Entscheidungen

Antragsteller Dr. Markus Germar
Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 411073522
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Wie beeinflusst der soziale Konsens unsere Wahrnehmung? In unserem alltäglichen Leben orientieren wir uns häufig daran, was andere denken oder tun – sei es in der politischen Meinungsbildung, beim Online-Shopping oder bei der Einschätzung von Situationen. Besonders spannend wird es, wenn der Konsens anderer nicht nur unser Verhalten, sondern sogar unsere Wahrnehmung beeinflusst. Das war die zentrale Fragestellung unseres Forschungsprojekts: Verändert sozialer Konsens unsere Wahrnehmung – und wenn ja, wie? Um diese Frage zu beantworten, haben wir ein neues theoretisches Modell entwickelt: den erweiterten Social-Reinforcement-Learning-Ansatz. Dieser geht davon aus, dass wir durch wiederholte Konfrontation mit einem sozialen Konsens „lernen“, bestimmte Reize anders wahrzunehmen – zum Beispiel, Farben anders einzuordnen. In einer Reihe von Experimenten untersuchten wir mit psychologischen, verhaltensbasierten und neurowissenschaftlichen Methoden, ob und wie dieses soziale Lernen funktioniert. Unsere Studien zeigen: Sozialer Konsens beeinflusst tatsächlich die Wahrnehmung. Menschen verarbeiten Reize anders, wenn sie zuvor mit einem bestimmten Konsens konfrontiert wurden. Diese Effekte lassen sich sogar auf der Ebene der Aufmerksamkeit und neuronalen Aktivität nachweisen – und bleiben auch dann bestehen, wenn keine soziale Information mehr gegeben wird. Interessanterweise wirken Konsenseffekte besonders stark, wenn sie von Gruppen kommen, mit denen wir uns identifizieren. Umgekehrt kann objektives Feedback die Wirkung des Konsenses aufheben. Diese Erkenntnisse helfen uns besser zu verstehen, wie soziale Einflüsse unsere Entscheidungen und Wahrnehmung formen – selbst in scheinbar einfachen Situationen. Das ist nicht nur für die Grundlagenforschung relevant, sondern auch für gesellschaftliche Anwendungen, etwa in der Gesundheitskommunikation, bei Fake News oder bei der Gestaltung sozialer Interaktionen in digitalen Medien.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung